Die Wackler und Wechsler unter den Wiener Bezirken

13. Oktober 2015, 18:17
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In fünf Bezirken entschieden erst die Kreuzerln der Briefwähler das knappe Rennen um Platz eins. Die Rivalität wird aber fast überall größer

Im Kampf um die Bezirksvorsteher wird es in Wien immer knapper. Bei der Wahl im Jahr 2010 war nur Wieden ein Wackelbezirk. Dort lag die erstplatzierte SPÖ nur fünf Stimmen vor den Grünen und 14 vor der ÖVP. Heuer kam es gleich in fünf Bezirken zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen: In der Inneren Stadt, Favoriten, Simmering, Währing und Floridsdorf hofften die Parteien bis zum Schluss auf die Wahlkarten.

Die Innere Stadt und Floridsdorf hatten vor Auszählung der Wahlkarten sogar kurzzeitig die Farbe gewechselt. Die schwarze Hochburg Innere Stadt drohte in die Hand der SPÖ zu fallen. Das knappe Rennen hatte die bisherige Citychefin Ursula Stenzel ausgelöst, die während des Wahlkampfs zur FPÖ übergelaufen war. Mit lediglich 137 Stimmen Unterschied durch die Wahlkarten schaffte es die ÖVP dann doch, den Ersten zu behaupten. Für den baldigen Bezirksvorsteher Markus Figl eine Bestätigung: "Heute wird nicht mehr blind eine Partei gewählt", die ÖVP habe die Wähler aufs Neue überzeugen müssen – mit einem Positivwahlkampf.

Pessimismus am Sonntag

In der ehemals roten Bastion, dem 21. Bezirk, musste Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ), der seit Anfang 2014 im Amt ist, bis nach der Auszählung der Wahlkarten zittern. Davor sah es noch so aus, als ob er sein Amt an die FPÖ abgeben müsste. "Ich war am Sonntag sehr pessimistisch", sagte Papai zum STANDARD. Sein Bezirksergebnis liege aber leider im Trend der SPÖ. "Bei den Menschen, deren Geldbörserl nicht so gefüllt ist, gibt es oft Ängste, die von Parolen geschürt werden", erklärt sich Papai den Stimmenverlust und das Minus von 6,6 Prozentpunkten in Floridsdorf. Jetzt gehe es für die Sozialdemokratie darum, "Lösungen zu erarbeiten und nicht nur zu hetzen". In Floridsdorf wolle er sich um neue leistbare Wohnungen kümmern und jedes Jahr Parkanlagen sanieren oder neue bauen. Rund 1000 Stimmen trennt die SPÖ mit 38,4 Prozent von der Nummer zwei, der FPÖ mit 37,2.

Währing an die Grünen

"Schrecksekunden" gab es auch bei der SPÖ Favoriten, wie es die seit 1994 amtierende Bezirksvorsteherin Hermine Mospointner ausdrückte. Umso mehr freue man sich nun, dass man den ersten Platz mit einem Mandat Vorsprung gehalten habe. Das werde nichts an der "sachlichen Arbeit im Bezirk" ändern. Für Mehrheitsbeschlüsse könne sie mit den Schwarzen oder Grünen in Favoriten reden. Die FPÖ brauche man dafür nicht.

Zwei Bezirke wurden knapp gedreht. Die ÖVP verlor Währing an die Grünen, die mit der Einführung des Parkpickerls überzeugen konnten. Ohne eine neuerliche Befragung will die designierte Bezirkschefin Silvia Nossek dieses nun einführen. Das Votum für die Grünen sei als Zustimmung der Währinger zu verstehen.

Blauer Elfter

Die FPÖ schnappte den Roten Simmering weg. Als erster freiheitlicher Bezirksvorsteher in der Geschichte von Wien wird Paul Stadler den Elften übernehmen. Nicht einmal ein Prozentpunkt trennt FPÖ und SPÖ.

Mit 16 Bezirksvorstehern liegt die SPÖ trotzdem weiterhin weit vorn. Die ÖVP stellt nur noch vier Chefs, die Grünen gewinnen dazu und haben zwei, die FPÖ einen.

Die Kluft zwischen konkurrierenden Parteien wurde im Vergleich zu den Resultaten von 2010 in den meisten Bezirken enger. Ausnahme bilden nur Wieden, Josefstadt und Hietzing, wo die jeweils stärkste Partei (die SPÖ im Vierten, die ÖVP im Achten und 13.) ihren Vorsprung weiter ausbauen konnte. (Oona Kroisleitner, Christa Minkin, 13.10.2015)

  • Das Rennen um Währing wurde erst durch die Wahlkarten entschieden: Grün lief vor Schwarz über die Ziellinie und stellt die Bezirksvorsteherin. In den meisten Bezirken kämpft aber Rot gegen Blau.
    foto: apa / epa / tracey nearmy

    Das Rennen um Währing wurde erst durch die Wahlkarten entschieden: Grün lief vor Schwarz über die Ziellinie und stellt die Bezirksvorsteherin. In den meisten Bezirken kämpft aber Rot gegen Blau.

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