"Macbeth" im L.E.O.: Mordsmäßig machthungrig

13. Oktober 2015, 15:39
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Verdis Schocker "Macbeth" ist nun im L.E.O. zu erleben. Für Annette Fischer, die Lady Macbeth, sollte ein Zubau erwogen werden

Wien – Nicht nur an der Wiener Staatsoper strebt es wieder blutrünstig nach der Macht, nein, auch in der Ungargasse 18 treibt das mörderischste Power-Couple der Theatergeschichte sein Unwesen: Verdis Macbeth steht beim Letzten Erfreulichen Operntheater (L.E.O.) auf dem Spielplan. Lange silberne Latten kreuzen das karge Bühnendunkel: die riesigen Schwerter der schottischen Karrieristen, die gemeinsam über Leichen gehen?

Am schwarzen Stutzflügel links im Eck lässt Kaori Asahara Verdis Musik zu stumpf-blechernen Klavierklängen werden – was aber gar nichts ausmacht, da die freundliche Japanerin trotz der widrigen Umstände so differenziert wie gefühlvoll zu musizieren versteht. Stefan Fleischhacker führt durch den Abend, das Faktotum des gmiatlichsten Opernetablissements der Stadt tut dies in einer sogar für L.E.O.-Verhältnisse erstaunlich zerstreuten Art. Dabei muss Fleischhacker seinen historisch timbrierten Tenor als Macduff eigentlich gar nichts so oft zum Klingen bringen.

Anders als Annette Fischer, die als Lady Macbeth natürlich einiges zu tun hat. Fischer ist eine Person von außerordentlicher Präsenz. Auch sängerisch ist Fischer von allergrößtem Sendungsbewusstsein durchdrungen: Um ihrem hochdramatischen Sopran genug Raum zu geben, empfiehlt sich für das L.E.O. ein Anbau in der Größe der Arena von Verona. Solange dies nicht durchgeführt wurde, wird Besuchern der Macbeth geraten, vorrangig die hinteren Reihen zu belegen.

Von dort kann man sich in sicherem Anstand vom sanften, wohltimbrierten Wirken ihrer männlichen Mitstreiter unterhalten lassen: allen voran von jenem Rumen Dobrevs, der – auch angeschlagen – einen wunderschön innigen Macbeth singt. Und auch Apostol Milenkov, der gutmütige Samson des L.E.O.-Ensembles, präsentiert seinen Bassbariton als Banco in gefälliger Weise. Am Schluss wird der Despot unter tatkräftiger Mitwirkung des Publikums erschlagen. Begeisterung über all das. (Stefan Ender, 13.10.2015)

17., 21. 10., 19.30

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Theater Leo

  • Hochdramatisch und innig: Annette Fischer und Rumen Dobrev als die beiden Macbeths in Verdis Oper.
    foto: christa fuchs

    Hochdramatisch und innig: Annette Fischer und Rumen Dobrev als die beiden Macbeths in Verdis Oper.

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