Die Schluppenbluse: Schlupp, Schlupp, Hurra!

Kolumne14. Oktober 2015, 05:30
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Seit Gucci wieder Mascherln um die Hälse bindet, ist sie wieder da, die Schluppenbluse. Auch für Männer übrigens

Schon ihr Name klingt eigentlich zu verstaubt, um je wieder in Mode zu kommen: die Schluppenbluse hat es dank ihres trutschigen Images tatsächlich nicht leicht. Schuld daran ist der zentnerschwere modehistorische Ballast, den sie hinter sich herzieht. Maggie Thatcher, Prinzessin Diana, immer wieder werden die immergleichen Trägerinnen der Schluppe zitiert. Und das meist nicht zu ihrem Vorteil.

Neuerdings allerdings scheinen diese Erinnerungen an die Achtzigerjahre wie weggewischt. Mitverantwortlich für diesen Richtungswechsel ist vor allem einer. Alessandro Michele, seit einigen Saisonen der kreative Kopf von Gucci. Hauptbestandteile seines verträumten, rückwärtsgewandten Looks sind die Rüschen und die Mascherln um den Hals.

Frischer Wind durch Transparenz

Seit also Michele, jener bärtige italienische Designer, den vor einigen Jahren nur Insider kannten, der Schluppe ihr Vertrauen ausgesprochen hat, ist alles anders. Die locker um den Hals gebundene Schleife gilt nun nicht mehr als verstaubter Ladenhüter, sondern als das Accessoire, das frischen Wind in die minimalistische Garderobe der letzten Jahre bringt. Wie Michele das macht? So manche Schluppe hängt an einer ziemlich durchsichtigen Bluse dran.

foto: apa/epa/bazzi
Sehr durchsichtige Schluppenbluse von Gucci.

Wohl auch deshalb reden die deutschsprachigen Magazine neuerdings auch lieber vom Comeback der "Pussy-Bow-Bluse", zu sehen auf den Laufstegen von Bottega Veneta, Haider Ackermann oder Valentino. Und nein, ganz so harmlos wie die Schluppenbluse kommt der englische Begriff in seiner Mehrdeutigkeit ja eigentlich nicht daher. Vielleicht finden die Magazine ja deshalb, dass "Pussy Bow" verwegener als Schluppe klingt.

Dabei ist die Schluppenbluse, die wohl nur noch bei American Apparel als "Secretary Blouse" verkauft wird, ja auch wirklich nicht so altbacken wie gemeinhin geglaubt. In den USA waren es vor allem karrierebewusste Managerinnen, die sich in den Siebziger- und Achtzigerjahren zwischen den einzementierten Dresscodes der Männer, den Businessanzügen und steifen Hemdkrägen, behaupten mussten. Sie trugen zum Kostüm statt Schlips eben Schluppe. Und heute? Sind die Männer dran, sich mit einer Schleife um den Hals zu behaupten. Denn die eigentliche Nachricht aus den Häusern Gucci und Saint Laurent ist doch: gleiches Recht für alle. Oder: Auch dem männlichen Geschlecht steht ein Mascherl gut zu Gesicht. (Anne Feldkamp, 14.10.2015)

foto: apa/epa/langsdon
Mascherl für Männer bei Saint Laurent.


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foto: lena hoschek
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