"Playboy" künftig ohne Nacktbilder – wegen Online-Pornos

13. Oktober 2015, 11:11
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Branchenpionier gibt sich dem Internet geschlagen und zielt auf jüngeres Publikum

Das Erotik-Magazin "Playboy", das vor Jahrzehnten als Pionier sein Genre praktisch gegründet hatte, unterzieht sich bald einem radikalen Wandel. Ab kommendem März wird sich die gedruckte Ausgabe in einem frischen Design präsentieren – und auf Nacktbilder verzichten.

Ein großer Schritt, waren entkleidete Damen doch einst Markenzeichen und Zugpferd des Mediums. Provokante Posen wird es auch weiterhin geben, doch völlige Entblößung nicht mehr. Der Grund sind Online-Pornos.

Vom Internet überholt

Vorgeschlagen worden war die Änderung vom leitenden Redakteur Cory Jones, abgesegnet hat sie der mittlerweile 89-jährige Gründer Hugh Hefner. Für die Umsetzung zeichnet Firmenchef Scott Flanders verantwortlich.

"Der Kampf wurde ausgetragen und gewonnen", erklärt dieser gegenüber der New York Times. Gemeint ist der Konflikt zwischen dem "Playboy" und dem Internet. Das digitale Zeitalter hat letztlich gesiegt. "Heute ist man nur einen Klick davon entfernt, sich kostenlos jeden Sexualakt anzusehen, den man sich vorstellen kann."

Smartphone statt Schmuddelheft

Schmökerten vor wenigen Jahrzehnten noch viele Jugendliche heimlich im Nacktbild-Magazin, besitzt heute fast jeder ein Smartphone mit Internetanbindung. Pornohefte, von schmuddelig bis hin zu "edleren" Produkten haben wirtschaftlich und kulturell stark an Relevanz eingebüßt.

1975 hatte der "Playboy" noch eine Auflage von 5,6 Millionen Stück, heute liegt sie bei 800.000. Die Printsparte ist nur unter Berücksichtigung aller weltweit lizensierten Ausgaben profitabel, die US-Version schreibt jährliche Verluste von drei Millionen Dollar.

Wandel online schon vollzogen

Das Ende der Nacktbilder – künftige Fotos sollen die PG-13-Alterseinstufung erfüllen – eröffnet auch neue Chancen, wieder an Geltung zu gewinnen. Das beweist auch das eigene Online-Portal, wo man bereits im August 2014 viel weniger nackte Haut zeigt und stärker auf Lifestyle und Popkultur setzt.

Das Durchschnittsalter der Besucher ist seitdem von 47 auf rund 30 Jahre gesunken, statt vier Millionen Besuchern landen nun sechzehn Millionen pro Monat auf der Seite. Denn mittlerweile hat man Inhalte, die man über Facebook und andere virale Kanäle verbreiten kann, ohne befürchten zu müssen, die Grenzen der dortigen Richtlinien zu sprengen. Man sieht sich als Konkurrent zu jugendlichen Medien wie etwa dem "Vice"-Magazin.

Haupteinnahmequelle Merchandise

In der gedruckten Ausgabe will man weiter investigativen Journalismus betreiben und außerdem – zur Pflege der Kernleserschaft – verstärkt über alkoholische Getränke berichten. Dazu wird es über das Heft verteilt die Werke bildender Künstler zu sehen geben. Entscheidungen, die zu einem guten Teil auf Basis eigener Marktforschungsergebnisse gefällt wurden.

Ob man durch die Änderungen wieder profitabel wird, bleibt abzuwarten. Firmenchef Flanders sieht die Situation jedoch gelassen. Für ihn ist das Heft die "Auslage" des Unternehmens. Die größte Einnahmequelle ist schon seit längerem das Merchandising mit dem bekannten "Playboy-Bunny". (gpi, 13.10.2015)

  • Der Playboy wurde vom Internet überholt und wandelt sich.
    foto: playboy

    Der Playboy wurde vom Internet überholt und wandelt sich.

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