Moskau: US-Waffen gehen an syrische Terroristen

13. Oktober 2015, 20:51
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Amnesty-Bericht erhebt schwere Vorwürfe gegen Kurdenmilizen – Rebellen drohen Russland

Damaskus/Moskau – Der Disput zwischen Russland und den USA bezüglich des syrischen Bürgerkriegs spitzt sich weiter zu. Nach neuen Waffenlieferungen der USA an syrische Rebellen hat Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag die Befürchtung geäußert, dass die Mehrzahl der aus der Luft abgeworfenen amerikanischen Waffen in die Hände von Terroristen gerate. Welche Gruppen damit genau gemeint waren, ließ Lawrow offen.

Die USA hatten in der Nacht auf Dienstag bekanntgegeben, dass man Rüstungsmaterial an "syrisch-arabische Rebellen" geliefert habe. Diese seien zuvor "angemessen überprüft" worden, hieß es aus dem Pentagon. Zudem unterstützt die Air Force kurdische Kämpfer gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) aus der Luft. Diese haben am Dienstag angekündigt, in den kommenden Wochen die "IS-Hauptstadt" Raqqa im Zentrum des Landes angreifen zu wollen. Man sei in Beratungen mit den USA, um sich auf einen Termin für eine koordinierte Aktion zu einigen, sagte der Chef der Kurdenmiliz YPG, Sipan Hamo, der Zeitung "al-Hayat".

Doch an genau jener YPG gibt es auch neue heftige Kritik. Amnesty International wirft ihr in einem Bericht vor, in Syrien Kriegsverbrechen begangen zu haben. Mitglieder der Gruppe hätten ganze Städte und Dörfer nach der Eroberung dem Erdboden gleichgemacht. Offenbar gibt es Beweise für mindestens 14 solcher Fälle. Zudem sei es immer wieder zu Vertreibungen der Bevölkerung gekommen. Dabei gehe es nicht um den Kampf gegen den IS, sondern laut dem Amnesty-Bericht um eine "gezielte und koordinierte Kampagne zur kollektiven Bestrafung". In einer Reaktion der syrischen Kurden hieß es, bei den geschilderten Fällen habe es sich lediglich um Einzelfälle gehandelt.

Rebellen drohen Russland

Auch das russische Militär setzte unterdessen seine Luftangriffe in Syrien fort. Nach eigenen Angaben wurden binnen 24 Stunden am Montag und Dienstag 88 Angriffe auf 86 Ziele geflogen. In der Agentur Interfax hieß es, dabei seien ausschließlich Stellungen des IS ins Visier genommen worden. Unterstützer der syrischen Opposition und westliche Staaten meldeten wie in den vergangenen Tagen Zweifel an diesen Angaben an.

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) ruft in einer Audiobotschaft zum Heiligen Krieg gegen Russen und US-Amerikaner auf. "Islamische Jugend der Welt, entzündet den Jihad gegen Russen und Amerikaner in ihrem Kreuzzug gegen Muslime", hieß es in der Botschaft, die am Dienstag verbreitet wurde.

Zudem kündigte der Chef der Assad-feindlichen Al-Nusra-Front, die zwar mit Al-Kaida, nicht aber mit dem IS verbündet ist, Russland Vergeltung an. Abu Mohammed al-Golani sagte in einer Videobotschaft auf Youtube, seine Gruppe und andere Rebellen hätten nun keine andere Wahl mehr, als das Kerngebiet der alawitischen Assad-Regierung im Westen Syriens unter Beschuss zu nehmen. "Ich rufe alle Gruppen auf, ihre Dörfer täglich mit hunderten Raketen zu beschießen, so wie sie es mit sunnitischen Städten und Dörfern tun." Der Krieg in Syrien werde die Russen "vergessen lassen, was sie in Afghanistan durchgemacht haben". Die russische Botschaft in Damaskus kam am Dienstag unter Raketenbeschuss, verletzt wurde offenbar niemand.

Derweil gab die irakische Regierung bekannt, dass sie erstmals Luftangriffe auf den IS auf Basis russischer Geheimdienstinformationen geflogen sei. Bisher hatte Bagdad vor allem eng mit den USA kooperiert. (red, 14.10.2015)

  • Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten in der nordsyrischen Stadt Kobane Ende 2014.
    foto: ap photo / jake simkin

    Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten in der nordsyrischen Stadt Kobane Ende 2014.

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