Von guten Säften

16. Oktober 2015, 15:33
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Die Brennstoffzelle ist eine der meistangesagten und ebenso oft verschobenen Antriebsarten. Erdgas, Flüssiggas, Elektro- und Hybridantriebe inklusive Biosprit haben den Praxistest mehr oder weniger gut bestanden. Wodurch herkömmliche Treibstoffe dereinst flächendeckend ersetzt werden, ist noch offen.

Das ultimative Ökoauto muss nicht erst erfunden werden, das gibt es längst. Es ähnelt zwar mehr einem rollenden Sarg; dafür kommt hinten schon seit Jahrzehnten kein Gramm Kohlendioxid (CO2) raus. Die Rede ist von der guten alten Seifenkiste, mit der sogar Rennen gefahren werden. Raserei ist das keine, aber auf 50 km/h kommt das Sperrholzgefährt allemal, wenn das Gefälle groß genug ist. Darüber, wie man es anstellen könnte, dass auch bei herkömmlichen Fahrzeugen hinten kein CO2 rauskommt, zerbrechen sich Heerscharen von Wissenschaftern rund um den Globus den Kopf; sie tüfteln allesamt an alternativen Antrieben. Die Herausforderung ist, nicht nur CO2-frei bergab zu fahren, sondern auch möglichst klimaschonend bergauf zu kommen.

Nach einem Jahrhundert absoluter Dominanz von Benzin und Diesel ist die Tür für klimaschonende Antriebe weit aufgerissen. Den größten Hype gab es um die Brennstoffzelle – das erste Mal vor gut 30 Jahren. Spötter behaupten, die Brennstoffzelle sei 1980 acht bis zehn Jahre von der Serienreife entfernt gewesen, und das sei sie heute immer noch.

Dampf statt Schadstoffe

Ein Brennstoffzellenantrieb basiert auf einem Elektromotor, der seine Energie über die Verbrennung von Wasserstoff bezieht. Anders als bei Benzin oder Diesel werden dabei keine Luftschadstoffe freigesetzt, nur Wasserdampf. Wasserstoff ist kein knapper Rohstoff wie Öl, sondern das in der Natur am häufigsten vorkommende chemische Element. Als großer Vorteil gegenüber batteriebetriebenen Fahrzeugen gilt die Reichweite: Brennstoffzellenautos können problemlos hunderte Kilometer fahren. Der Wasserstoff lässt sich binnen weniger Minuten tanken.

In Österreich gibt es zurzeit gezählte zwei Wasserstofftankstellen, eine in Wien, eine in Innsbruck – beide von der OMV. Zur fehlenden Infrastruktur kommen die fehlenden Autos. Einer der Gründe dafür ist neben Herausforderungen technisch-logistischer Natur auch die noch schwer darstellbare Wirtschaftlichkeit. Manche sprechen gar von einer scheingrünen Lösung. Elon Musk, Gründer des Elektroautoproduzenten Tesla, brachte es in einem Gespräch mit dem Schweizer Magazin Bilanz auf den Punkt: Die Brennstoffzelle sei eine "ganz schlechte Wahl", weil der überwiegende Teil des Wasserstoffs aus Erdgas und damit ebenfalls aus einem fossilen Energieträger hergestellt wird. Das stimmt.

Algensprit

Genauso kritisch kann man aber auch die Elektroautobranche betrachten. Abhängig davon, ob der Strom für die Batterie in öl-, gas- oder kohlebefeuerten Kraftwerken erzeugt wird oder aus erneuerbaren Quellen stammt, trägt sie mehr oder weniger zur Lösung des Klimaproblems bei.

Stark geforscht wird auch rund um Algensprit. Das in Florida ansässige Unternehmen Algenol produziert schon, laut eigenen Angaben zurzeit für 1,30 Dollar je Gallone (32 Eurocent je Liter). Ziel sei es, 2020 eine Milliarde Gallonen herzustellen und das Produkt dann so günstig anzubieten, dass jeder Autofahrer 75 US-Cent je Gallone gegenüber herkömmlichem Sprit sparen würde. Der Preis ist zweifellos heiß, die Algenol-Prognosen sind, nüchtern betrachtet, wohl auch als Motivationsverstärker für potenzielle Investoren gedacht, die man braucht, um abheben zu können. Eine realistische Einschätzung künftiger Entwicklungen ist es eher nicht, zumal sich schwer abschätzen lässt, wie sich der Benzinpreis bei anhaltender Ölschwemme entwickelt.

Tank versus Teller

Einen schweren Stand haben andere Beimischungsformen, etwa der E-10-Biosprit aus Raps oder Mais. Der steht im Verdacht, Nahrungsmittel für Arme zu verteuern und immer mehr Landwirtschaftsflächen in Agrarsteppen zu verwandeln.

Zumindest als Übergangslösung wird von manchen Erdgas favorisiert. Bei der Verbrennung fallen weniger Emissionen an als bei Benzin oder Diesel – und, noch ein Vorteil, man kann überschüssige Windenergie in Erdgas umwandeln und in das Netz einspeisen. So richtig warm geworden sind die Österreicher mit dem Erdgasauto bisher nicht.

Das Rennen um die Antriebe der Zukunft jedenfalls ist eröffnet. Wer letztlich als Sieger durchs Ziel gehen wird, ist noch offen.

Mobil bleiben angesichts des von fossilen Treibstoffen befeuerten Klimawandels ist die große Herausforderung. Was an die Stelle von Benzin und Diesel treten wird, ist offen. (Günther Strobl, 17.10.2015)

  • In den Kofferraum passt viel Grünzeug, jedenfalls mehr als in so manchen Tank.  Wissenschafter rund um den Globus tüfteln an Lösungen.
    foto: corbis

    In den Kofferraum passt viel Grünzeug, jedenfalls mehr als in so manchen Tank. Wissenschafter rund um den Globus tüfteln an Lösungen.

  • Mobil bleiben angesichts des von fossilen Treibstoffen befeuerten Klimawandels ist die große Herausforderung.
    foto: corbis

    Mobil bleiben angesichts des von fossilen Treibstoffen befeuerten Klimawandels ist die große Herausforderung.

  • Was an die Stelle von Benzin und Diesel treten wird, ist offen.
    foto: corbis

    Was an die Stelle von Benzin und Diesel treten wird, ist offen.

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