Hybride: Hummel im Hintern

16. Oktober 2015, 15:25
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Der Hybridantrieb hat seine sportliche Seite entdeckt, und die scheint ihm gut zu gefallen. Vom Rennsport bis in den Serienbau von Sportwagen schätzt man inzwischen den Schub aus den Akkus.

Die Idee des Hybridantriebs hat nun endgültig das braune Sakko mit den Ärmelschonern abgelegt und gegen Funktionswäsche getauscht. Die Brikenstock liegen in einem Eck. Neue Laufschuhe mussten her. Denn der Hybridantrieb ist nicht länger nur eine Brücke zwischen den Inseln Verbrenner und Elektromotor, sondern vielmehr der Gipfel der Sportlichkeit.

In der Formel 1 und auch in Le Mans, in der Königsklasse der LMP1-Werksteams, geht nichts mehr ohne KERS, das Kinetische-Energie-Rückgewinnungs-System. Die Rennwagen wandeln die Bremsenergie nicht mehr allein in Hitze um, sondern gewinnen einen guten Teil davon, entweder über einen Generator oder ein Schwungrad, zurück. Diese Energie wird dann zum Boosten verwendet. Oder anders gesagt: Wenn der Verbrennungsmotor am Limit ist, dann schaltet man einen ordentlichen E-Motor zu, der diese Bremsenergie mit einer schon fast unverschämten Portion Drehmoment in Beschleunigung verwandelt.

Erster Hybrid-Sieg in Le Mans

Das funktioniert so gut, dass 2012 der Audi R18 e-tron quattro als erstes Hybridfahrzeug die 24 Stunden von Le Mans gewann. Er holte sich auch 2013 und 2014 den Sieg. Erst heuer gab er ihn an seinen Konzernbruder, den Porsche 919, wieder ein Hybrid, ab.

Der 850.000-Euro-Porsche O Die zivile Version des Porsche 919 Hybrid ist, wenn man so will, der 918 Spyder. Aber Achtung. Zivil heißt zwar straßenzulassungsfähig, aber keinesfalls langweilig, brustschwach oder gar billig. Denn mit der besseren Ausstattung, dem Weissach-Paket, legt man für den Hybrid-Porsche 849.000 Euro ab. Dafür bekommt man dann aber auch einen Sportwagen, der alles andere in den Schatten stellt. Sein 4,6 Liter großer V8-Motor leistet 608 PS und brüllt durch mächtige Endrohre hinter den Kopfstützen seine geballte Kraft in die Welt. Beim Erzeugen von ausreichend Vortrieb helfen auch zwei E-Motoren. Einer an der Vorderachse mit 129 PS, einer an der Hinterachse mit 156 PS. Systemleistung: 887 PS, maximales Drehmoment: 1280 Newtonmeter. In 2,6 Sekunden beschleunigt der Hybrid-Porsche aus dem Stand auf Tempo 100, in 7,4 Sekunden auf 200 km/h. Und das alles bei einem Normverbrauch von 3,1 Liter Super Plus auf 100 Kilometer.

Micra Mouse mit Mousematic

Das Erstaunlichste an diesem Supersportler ist aber nicht seine endlose Leistung, sein emotionales Design oder sein Preis. Nein, am beeindruckendsten ist, dass sich dieser Wagen selbst bei Höllentempo einfacher fährt als eine Nissan Micra Mouse mit Mousematic in der Stadt oder ein Lada in der Taiga.

Ein wirklich gutes Handling muss man auch dem BMW i8 attestieren. Dieser Wagen treibt den Plug-in-Hybrid-Sportwagen-Gedanken auf ganz andere Art auf die Spitze als der Porsche. BMW reicht nämlich ein kleiner, 1,5 Liter großer Drei-Zylinder-Benziner als konventioneller Antrieb. Der TwinPower-Turbo treibt mit 231 PS Leistung die Hinterräder an und klingt dabei wie ein rotziger Sechszylinder. An den Vorderhufen hilft ihm ein 131 PS starker E-Motor.

Eisensparen

Beide Antriebe zusammen generieren eine Systemleistung von 362 PS. Das reicht für den Sprint von null auf 100 km/h in 4,4 Sekunden. Denn der i8 wiegt, obwohl er zwei Aggregate und die Akkus tragen muss, nur 1560 Kilogramm. Möglich wurde das nur, weil die Münchner mit dem Eisen gespart und stattdessen lieber einen Carbon-Boliden gezaubert haben. Das hat natürlich seinen Preis. Ab 136.999,99 Euro bekommt man bei uns einen i8.

Bei aller Sportlichkeit wollen wir aber eines nicht vergessen: Sowohl 918 Spyder als auch i8 können als Plug-in-Hybride annehmbare Strecken rein elektrisch fahren. Beim 918 Spyder sind das rund 25, beim i8 rund 30 Kilometer. Und selbst dann hängen diese Autos noch die meisten der Ampelgenossen beim Start ab.

BMW gefällt das Konzept des sportlichen Hybrids und wird 2016 den 2er Active Tourer zum Anstecken auf den Markt bringen. Der spielt dann, mit kleinem Dreizylinder-Motor, in der Liga des 225i, ist aber deutlich sparsamer. (Guido Gluschitsch, 17.10.2015)

  • Die Königsklasse der Rennwagen in Le Mans, ...
    reuters

    Die Königsklasse der Rennwagen in Le Mans, ...

  • .... die Spitze der Supersportler, der Porsche 918 Spyder ...
    foto: porsche

    .... die Spitze der Supersportler, der Porsche 918 Spyder ...

  • und sportliche Eyecatcher wie der BMW i8 setzen auf E- und Verbrennungsmotoren. Schneller, sparsamer, spektakulärer.
    foto: guido gluschitsch

    und sportliche Eyecatcher wie der BMW i8 setzen auf E- und Verbrennungsmotoren. Schneller, sparsamer, spektakulärer.

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