Kopf des Tages: Angus Deaton

Kopf des Tages12. Oktober 2015, 17:44
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Armutsforscher Angus Deato mit Faible für Dinosaurier gewinnt den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften

Großer Forschungsdrang, eine Brise Überheblichkeit und die Lust zu provozieren: Das sind drei Eigenschaften, die den 69-jährigen Angus Deaton, der am Montag den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften zugesprochen bekam, wohl am besten charakterisieren.

Deutlich wird das in einem Schreiben, das Deaton im April 2009 veröffentlichte: Die Weltwirtschaft stand damals, kurz nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, am Abgrund. Die Arbeitslosenzahlen explodierten in den USA. Doch in besagtem Schreiben brachte der Pinceton-Ökonom seine Freude darüber zum Ausdruck, die Krise erleben zu können. Für einen Wissenschafter böten sich schließlich einzigartige Möglichkeiten der Erkenntnis, "man fühlt sich, als würde man einem Dinosaurier begegnen oder der Premiere eines Shakespeare-Stücks beiwohnen".

Ehe man ihn als arroganten Snob abtut, sei angemerkt, dass aus Deatons Schriften meist auch eine Vorliebe für Humor und Sarkasmus deutlich wird. Nicht immer ist ganz klar bei ihm, was er ernst meint und was nicht.

Aufgewachsen ist der 1945 in Edinburgh geborene Ökonom in Schottland. Seine Eltern schickten den talentierten Mathematiker auf die Elite-Uni Cambridge. Mathematik habe er als Studienfach nur gewählt, weil er mit den Rechenaufgaben in der Schule schnell fertig war und deshalb Zeit für andere Dinge hatte, bekannte Deaton einmal. In Cambridge wurde ihm die Materie zu kompliziert, weshalb er zur Ökonomie wechselte.

Mit Ausnahme eines Gastspiels bei der britischen Notenbank durchlief Deaton eine akademische Karriere, die ihn bis Princeton führte. Bekannt und nun ausgezeichnet wurde er für seine in den 1970er-Jahren begonnenen Forschungsarbeiten im Themenbereich Konsum, Armut und Ungleichheit.

Stets fasziniert hat den gebürtigen Schotten, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, der indische Subkontinent. Sein großes Vorbild ist auch der indische Ökonom und Armutsforscher Amartya Sen.

Dabei ist Deaton kein Freund staatlicher Interventionen, zumindest nicht, wenn sie von außen kommen. Regelmäßig fordert er die Abschaffung der Entwicklungshilfe. Diese habe in der Praxis nie funktioniert, oft mehr Schaden als Nutzen gehabt. Menschen würden meist nur helfen, um sich selbst besser zu fühlen: "Uns geht es doch im Großen und Ganzen mehr um uns selbst als um die wirklich Armen", sagte er einmal. (András Szigetvari, 12.10.2015)

  • Der Nobelpreis für Ökonomie geht 2015 an Angus Deaton.
    foto: epa/larry levanti

    Der Nobelpreis für Ökonomie geht 2015 an Angus Deaton.

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