Winterkorn soll alle Ämter im VW-Konzern verlieren

12. Oktober 2015, 18:09
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Der Abgasskandal kostet den 68-Jährigen ehemaligen VW-Chef auch seine Posten bei Porsche, Audi, MAN und Scania

Berlin – Seinen Job als VW-Vorstandsvorsitzender hat Martin Winterkorn im Zuge des Skandals um manipulierte Software in Dieselautos nach acht Jahren an der Spitze des Konzerns bereits verloren. Mehrere deutsche Medien berichten nun, dass der 68-Jährige sich dazu gedrängt sieht, auch seine anderen Posten im Konzern aufzugeben. Er ist derzeit noch Aufsichtsratschef bei Audi, bei der Lkw-Tochter von VW (Scania, MAN) sowie Aufsichtsrat beim Sportwagenhersteller Porsche.

Druck machen vor allem das Land Niedersachsen, das beim Volkswagen-Konzern zweitgrößter Aktionär ist. Auch die mächtige IG Metall drängt auf den vollständigen Rückzug Winterkorns. Dieser hatte im September, wenige Tage nachdem der Skandal um den Abgasbetrug bekannt geworden war, den Aufsichtsrat lediglich gebeten, "eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns zu treffen". Dieser Vertrag wäre noch bis Ende 2016 gelaufen, hätte aber eigentlich in Kürze bis 2018 verlängert werden sollen. Die übrigen Posten hat Winterkorn in dem Schreiben nicht erwähnt.

Freiwilliger Abgang

Als besonders heikel gilt, dass Winterkorn noch den Chefposten der Porsche SE hält. In dieser Finanzgesellschaft bündeln die Familien Porsche und Piëch ihre VW-Anteile, sie sind auch Hauptaktionäre. Bliebe Winterkorn Chef der Familienholding, dann hätte er weiterhin großen Einfluss auf VW und auf den neuen Chef, Matthias Müller, der von Porsche kommt.

Winterkorn ist offenbar bereit, seine Posten freiwillig zu räumen. Sollten ihm Verfehlungen nachgewiesen werden, könnte ihn der Aufsichtsrat laut Aktiengesetz entlassen. Winterkorn hat in seinem Statement zum Abschied als VW-Chef erklärt, er gehe, "obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin". Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung (SZ) müssen für den Totalrückzug noch Formalien geklärt werden. Einen Posten kann Winterkorn behalten: Er bleibt im Aufsichtsrat des Fußballklubs Bayern München, da dieses Mandat nicht an VW gekoppelt ist.

Europäische Investitionsbank prüft

Die SZ berichtet außerdem, dass die Europäische Investitionsbank (EIB) Konsequenzen aus der Manipulation prüft. Die Förderbank hat Volkswagen seit dem Jahr 1990 rund 4,6 Milliarden Euro an günstigen Krediten gewährt, unter anderem für die Entwicklung sauberer Motoren sowie ausländische Produktionsstätten in Lateinamerika. EIB-Chef Werner Hoyer erklärt, vorbehaltlich des Ergebnisses "werden wir uns die Frage stellen müssen, ob wir Kredite zurückfordern müssen, sollten sie zweckentfremdet worden sein". Derzeit laufen noch Kredite über 1,8 Milliarden Euro.

VW hat eingeräumt, die Manipulationssoftware in weltweit elf Millionen Fahrzeugen mit dem Dieselmotor EA 189 eingebaut zu haben. Unklar ist aber noch, in wie vielen Autos sie tatsächlich zum Einsatz kam. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) senkte am Montag die Bewertung für VW um eine Stufe auf "A-" und drohte mit weiteren Verschlechterungen. Laut Berechnungen des Markenbewertungsunternehmens Brand Finance ist der Wert der "Marke Deutschland" durch den Skandal um 191 Milliarden US-Dollar auf 4,2 Billionen US-Dollar gefallen. (bau, 13.10.2015)

  • Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wird  Pensionist.
    foto: dpa

    Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wird Pensionist.

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