"Cinema Next": Faken, rauben und schweben

13. Oktober 2015, 09:00
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Zum fünften Mal versammelt "Cinema Next" Kurzfilme des heimischen Nachwuchses, die formal äußerst wendig sind

Wien – Wie generiert man als junger Künstler Aufmerksamkeit? Peter Moosgaard, der neuen Medien überdrüssig, lässt sich durch eine Trivial-Pursuit-Frage inspirieren. Gleich melanesischen Eingeborenen, die westliche Technologien (Flugzeuge!) aus Holz nachbauten, bastelt er primitive Artefakte, sogenannte Cargos, um hiesige Fixierungen auf Objekte aufzuzeigen. Zum Beispiel einen Computer aus Astwerk.

Damit aus der Idee ein Hype wird, benötigt es jedoch noch etwas mehr. Supercargo, eine smarte Mockumentary, liefert das Making-of der Erfolgsgeschichte Moosgaards (die Koregie übernahm Christoph Schwarz), eine ironische Analyse des Kunstbetriebs in Zeiten von Ich-AGs und Effizienzsteigerung. In Tagebuchform (Stimme: Fritz Ostermayer) gibt er preis, dass Planung nicht alles ist: Auch "bsoffene Gschichten" vermögen Eigendynamik zu entfalten.

Supercargo ist Teil des schon gut eingespielten Kurzfilmabends Cinema Next im Gartenbaukino, bei dem sechs Arbeiten jüngerer österreichischer Filmschaffender präsentiert werden. Auch Antoinette Zwirchmayrs Josef – Täterprofil meines Vaters arbeitet mit einer Off-Erzählstimme (Text: Angelika Reitzer), die eine Jugendstraftat ihres Vaters, einen Banküberfall, in Erinnerung ruft. Visuell wird das Ereignis allerdings konterkariert. Fragmentierte Aufnahmen eines nackten jungen Manns sowie Stillleben verorten den Film eher im Imaginären.

Kuratiert ist der Abend im Sinne der Vielfalt: Mit Rainer Kohlbergers Moon Blink ist etwa auch ein Experimentalvideo zu sehen, in dem sich wellenartige Energiefelder bilden, während Jannis Lenz' Schwerelos Poetry-Slam mit Parkourakrobatik kombiniert. (Dominik Kamalzadeh, 13.10.2015)

14. 10., Cinema Next, Gartenbaukino, 01/512 23 54, 21.00

www.cinemanext.at

  • Das Mumok als Ausstellungsort, abgehakt! "Supercargo" ironisiert den Kunstbetrieb.
    foto: christoph schwarz

    Das Mumok als Ausstellungsort, abgehakt! "Supercargo" ironisiert den Kunstbetrieb.

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