Montafon will Destination für Qualitätstourismus werden

12. Oktober 2015, 14:17
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Die Vorarlberger Region erfindet sich neu: Bisher dezentral organisiert, wollen Gemeinden und Seilbahnen nun kooperieren

Schruns – Die acht Montafoner Gemeinden wollen nun touristisch gemeinsame Sache machen. Und auch die Seilbahngesellschaften werden "an einem Strang ziehen", kündigte Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon-Tourismus, bei einer Pressekonferenz am Montag an.

Die Umstrukturierung der Tourismusorganisation der Wintersportregion dauerte drei Jahre. Es wurde kräftig gestritten, der Hauptinvestor im Tal, die BTV mit den Silvretta-Montafon-Bergbahnen, war sich mit Illwerke-Tourismus nicht immer eins, und gemeinsam vermissten die Investoren die Bereitschaft der Montafoner Betriebe, in ihre Häuser zu investieren.

Qualität statt Masse

Künftig soll alles anders werden. Das Bettenangebot, derzeit geprägt von Privatquartieren (Ferienwohnungen, Privatzimmer und Camping machen 70 Prozent des Angebots aus), soll qualitativ und quantitativ verbessert werden. Gemeinsam wollen Seilbahnen und Beherbergungsbetriebe um eine ganz bestimmte Zielgruppe werben, die "etablierten Postmateriellen". Damit sind Menschen mit gutem Einkommen gemeint, die Natur, Genuss und Kultur zu schätzen wissen.

"Privatzimmer sind Vergangenheit", sagt Bitschnau. Nachgefragt würden Ferienwohnungen in Topqualität. Für den Bau solcher und weiterer Hotels will man Investoren finden. Dazu wurde die Stelle eines Investorenberaters geschaffen. Dessen Aufgabe sei es, Investoren, die bereits Interesse angemeldet haben, "besser zu betreuen, als das bisher der Fall war", so Bitschnau.

Arbeitskräfte im Tal halten

Die Investitionen in Hotel- und Chaletbauten sollen weitere Arbeitsplätze schaffen. Das Montafon sei eine Auspendlerregion, bedauert Martin Netzer, Bürgermeister von Gaschurn: "Die Gäste möchten aber einheimisches Personal." Es gelte jungen Menschen zu vermitteln, dass es im Tourismus hochwertige Jobangebote gebe, sagt Bitschnau, "Tourismus ist ja nicht nur Arbeiten im Service oder an der Rezeption, das ist beispielsweise auch Marketing".

Die junge Generation bekenne sich zwar zum Wirtschaftszweig Tourismus, 85 Prozent sähen Tourismus positiv, zitiert Bitschnau eine Umfrage im Tal. "Arbeiten wollen sie im Tourismus aber nicht so gerne."

Nicht alle mögen Tourismus

Prinzipiell ortet der Tourismusmanager fehlende Tourismusgesinnung. Das zeige sich in wachsender Kritik an Großprojekten und Großveranstaltungen. Bitschnau will künftig mit der Bevölkerung besser kommunizieren, örtliche Kultur- und Vermarktungsinitiativen einbinden.

Die Wintersaison 2015/16 ist geprägt von zwei Großereignissen: dem Ski-Cross-Weltcup und dem Snowboardcross-Weltcup. Montafon-Tourismus hofft auf einen Aufwärtstrend, in der letzten Wintersaison verbuchte man bei 259.707 Ankünften ein Minus von 4,9 Prozent. Die Nächtigungen sanken letzten Winter um 6,5 Prozent auf 1,2 Millionen. (Jutta Berger, 12.10.2015)

  • Natur unverfälscht am Wiegensee im Montafon.
    foto: jutta berger

    Natur unverfälscht am Wiegensee im Montafon.

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