Faszination Frost: In Thailand boomen energieintensive Schneeparks

12. Oktober 2015, 12:25
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Einheimische strömen in klimatisierte Indoor-Arenen. Shopping-Malls in Bangkok verbrauchen mehr Strom als alle ländlichen Provinzen zusammen

Bangkok – Warm eingepackt kreischen begeisterte Besucher der Snow Town auf der Rodelbahn. Andere bauen Schneemänner oder pflügen die Pisten hinunter. "Super", schwärmt der 28-jährige Songphol Taesinlapasathit. "Ich würde am liebsten hier einziehen, um der Hitze zu entkommen." Denn Snow Town ist kein Wintersportgebiet in den Bergen, sondern ein Schneepark im tropischen Bangkok.

In der schwülheißen Hauptstadt Thailands stehen Winter-Wunderländer hoch im Kurs: Immer mehr Einkaufszentren und Parks bieten Indoor-Eisvergnügen als Kontrast zur Hitze – ohne Rücksicht auf den Energieverbrauch.

foto: apa/epa/rungroj yongrit
Ein Mädchen fängt Schneeflocken in Snow Town, Bangkok.

In einem Land, das mit seinen sonnigen Stränden Millionen Touristen anzieht, tragen viele Einheimische Sonnenschirme, lange Ärmel und breitkrempige Hüte – schließlich gilt hier weiße und nicht braune Haut als Schönheitsideal. Auch der ganzjährigen Hitze wollen viele entfliehen. Zur Kühlung von Einkaufszentren, Büros und Häusern verbraucht das wohlhabende und zunehmend urbanisierte Thailand riesige Mengen Energie – vor allem in Bangkok.

Stromfresser

In der Hauptstadt verbrauchen die Einwohner nach einer Studie von 2013 durchschnittlich doppelt so viel Strom wie der Rest des Landes. Allein die größten Shopping-Malls fressen einer Untersuchung der regionalen Umweltschutz-Website Mekong Commons zufolge mehr Strom als alle ländlichen Provinzen zusammen.

Der neue Run auf Eis und Schnee treibt den Verbrauch weiter in die Höhe: "Sie verbrauchen wirklich große Mengen Strom", warnt der Experte Gunn Panprayun von der Fakultät für Umwelt und Ressourcen der Mahidol-Universität. "Diese Eis- und Schlittschuh-Bahnen tragen zur Umweltzerstörung bei, weil sie natürliche Ressourcen verbrauchen."

foto: apa/epa/rungroj yongrit

Auch das Harbin Ice Wonderland am Rande Bangkoks erfreut sich großer Beliebtheit. Benannt wurde es nach einer Stadt im Nordosten Chinas, die für ihr jährliches Eisskulpturen-Festival berühmt ist. Mehr als 600 Tonnen Eis wurden im Wonderland zu Eiffelturm-Modellen oder Kraken aus buntem Eis verbaut. In seinem Inneren herrschen minus 15 Grad – 50 Grad weniger als auf den Straßen Bangkoks.

Japan profitiert

Nicht nur im eigenen Land suchen die Thailänder Winterfreuden. Die Expansion der Billigfluglinien macht für sie auch die Skigebiete der Region erreichbar. Ski-Resorts in den Bergen von Nordjapan, Südkorea und China locken thailändische Urlauber mit dem Versprechen, "echten Schnee" zu bieten. Vor allem Japan profitiert davon: Im vergangenen Jahr reisten nach Angaben des thailändischen Ministeriums für Tourismus und Sport 430.000 Thailänder nach Japan und gaben dort umgerechnet 440 Millionen Euro aus.

foto: apa/epa/rungroj yongrit

In Thailand selbst kommen Winterfreunde höchstens in den Bergen ganz im Norden des Landes auf ihre Kosten, wo viele Paare romantische Silvestertage verbringen – der Doi Inthanon ist hier mit gut 2.500 Metern der höchste Gipfel. Sonntagsausflüge in die Schneeparks sind inzwischen eine günstigere Alternative.

In einer Indoor-Winterlandschaft im Osten Bangkoks wirbeln Maschinen frischen Kunstschnee auf die Pisten voll entzückter Einheimischer, die sich im Skifahren versuchen oder mit Armen und Beinen Schneeengel in das kalte Weiß drücken. Die 27-jährige Saowanee Nimthong schießt Selfies mit ihren Freunden. "Gäbe es Schnee in Thailand, würde ich wenigsten einmal nackt durchwaten", sagt sie kichernd. "Um zu sehen, wie lange ich es aushalte." (APA, AFP, 12.10.2015)

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