Selfie-Jihadisten locken Drohnen und Bomber an

12. Oktober 2015, 09:56
161 Postings

Terrororganisationen wie der "Islamische Staat" ändern ihre Strategie – Facebook hilft Ermittlern

Facebook-Fotos von europäischen Jihadisten mit Kalaschnikows in der Hand, Videos aus Kampfgebieten in Syrien auf Youtube, islamistische Botschaften per Twitter: Terrororganisationen wie der "Islamische Staat" (IS) haben das Internet zu einer ihrer wichtigsten Waffen gemacht. Doch neuerdings ändern sie ihre Strategie: Nachdem mehrere Kämpfer von westlichen Sicherheitsdiensten identifiziert werden konnten, haben die IS-Anhänger die Anweisung erhalten, sich im Netz besser zu verstecken beziehungsweise keine für den Kampf wichtigen Informationen zu verbreiten. Außerdem sollen bestimmte Fotos nicht veröffentlicht werden – etwa von Kämpfern, die aus dem Ausland stammen.

Schwachkopf-Terrorist

Im Sommer sorgte der sogenannte Schwachkopf-Terrorist für Schlagzeilen. Ein IS-Kämpfer posierte für ein Selfie vor einem Hauptquartier der Terroristen – keine 24 Stunden nachdem er das Foto online gestellt hatte, zerstörten US-Bomber das Gebäude. Tatsächlich werten US-Militärs Postings von Jihadisten aus und nutzten diese Erkenntnisse für Angriffe. Für sie ist Internet-Überwachung ein "entscheidender Faktor" im Kampf gegen den IS.

Hilfe von Facebook

Neben der Streitkräften der USA schöpfen auch europäische Ermittlungsbehörden Informationen aus sozialen Netzen ab. So liefern Facebook, Youtube und Whatsapp eine große Anzahl an Indizien und Beweisen. Strafverfolger dürfen dabei mit der Hilfe von Facebook rechnen. Bei einem Prozess gegen zwei aus Deutschland stammende Syrien-Heimkehrer stellte das US-Unternehmen tausende Seiten Chatprotokolle zur Verfügung, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Auch in Österreich wurden Whatsapp-Chatprotokolle in Prozessen gegen IS-Terroristen zur Beweisführung genutzt.

"Kampagne zur Vorsicht mit Medien"

Allerdings ist diese Informationsquelle immer schwieriger anzuzapfen. Der IS hat seinen Anhängern unter dem Titel "Kampagne zur Vorsicht mit Medien" die Anweisung gegeben, keine Namen von Orten mehr zu twittern, Gesichter unscharf zu machen und nicht zu viele Details zu laufenden Operationen zu verbreiten. "Sicherheitsmängel sind aufgetreten, die der Gegner ausgenutzt hat", heißt es in dem Text. "Die Identität mancher Brüder wurde gefährdet." Das Problem betreffe nicht nur Fotos, sondern auch PDF-Dateien, Word-Dokumente und Videos.

"Die Terroristen passen sich an, sie begreifen, dass Telefonie und Internet praktisch sind, aber gefährlich", erläutern Terrorexperten. So habe der mutmaßliche Attentäter des Jüdischen Museums in Brüssel, der Franko-Algerier Mehdi Nemmouche, weder ein Handy noch einen Facebook-Account gehabt. (sum, Reuters, 12.10.2015)

  • Eine mit AGM-114-Hellfire-Raketen bewaffnete US-amerikanische MQ-1-Predator-Drohne.
    foto: apa

    Eine mit AGM-114-Hellfire-Raketen bewaffnete US-amerikanische MQ-1-Predator-Drohne.

Share if you care.