Daheim: Herzschwäche überwachen

12. Oktober 2015, 09:13
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Eine deutsche Studie erprobt, ob Patienten mit Herzschwäche mittels entsprechenden Technologien auch zu Hause versorgt werden können – die Lebensqualität stieg

Telemedizinische Überwachung über größere Distanzen kann die Beschwerden älterer Herzinsuffizienz (Herzschwäche)-Patienten verringern. Sie können wieder aktiver ihren Alltag gestalten, Lebensqualität und Allgemeinbefinden verbessern sich ebenso wie das Sicherheitsgefühl. Und die erzielte Senkung der Herzfrequenz könnte langfristig einen positiven Einfluss auf die Prognose haben, berichtet Frauke Wenzelburger (Westpfalz-Klinikum) auf der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Berlin.

"Trotz eines Technik-orientierten Ansatzes war die Akzeptanz der Studienteilnehmer sehr hoch." Symptome wie Luftnot oder Müdigkeit verbesserten sich bei den Studienteilnehmern ebenso wie Einschränkungen im Alltag etwa beim Treppensteigen, bei Freizeitaktivitäten oder der Körperpflege. Der Depression-Score, der anfänglich deutlich erhöht war, sank unter den durchschnittlichen Wert von allgemein-internistischen Patienten ohne diagnostizierte Depression.

In ländlichen Gegenden

An dem E.He.R.-Projekt (Etablierung eines Versorgungskonzeptes für Herzinsuffizienz- und Herzrhythmusstörungspatienten in Rheinland-Pfalz) nahmen 66 ältere und medikamentös optimal behandelte Patienten mit chronisch fortgeschrittener Herzinsuffizienz teil, die in ländlichen Regionen der Westpfalz lebten. "Das Projekt zeigt, dass es möglich ist, telemedizinische Versorgungsstrukturen auch in ländlichen Gegenden Deutschlands ohne universitäres Zentrum aufzubauen", folgert Wenzelburger. Das Projekt soll jetzt ausgeweitet werden.

Die Teilnehmer an dem Projekt wurden durch das Telemedizinzentrum am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern mit Bluetooth-fähigen Blutdruckmessgeräten und einer funkfähigen Körperwaage ausgestattet. Die Bedienung dieser Geräte wurde ebenso ausführlich erklärt wie das Mobiltelefon, das die Daten in eine spezielle Software übertrug. Die Daten wurden von den Patienten täglich gesendet, eine 24-stündige Überwachung an jedem Tag war gewährleistet.

Immer im Netz

Für jeden Patienten wurden individuelle Grenzwerte für Blutdruck, Herzfrequenz und Gewicht einprogrammiert, deren Über- oder Unterschreitungen einen Alarm in der Software bzw. am Bildschirm auslösten, der einen raschen Anruf beim Patienten zur Folge hatte. Je nach seiner Situation wurden notwendige Maßnahmen eingeleitet.

Unterstützt wurde die technische Überwachung durch regelmäßige Routine-Telefon-Anrufe des Telemedizinzentrums bei den Patienten. 58 Patienten nahmen nach sechs Monaten an der Abschlussbefragung teil (sieben waren verstorben, einer musste die Teilnahme wegen Demenz abbrechen), 56 Patienten fanden die Bedienung der Technik einfach oder sogar sehr einfach. 55 Patienten würden die Teilnahme an dem Projekt weiterempfehlen. Schlussfolgerungen, die über die Akzeptanz der eingesetzten Technologie hinausgehen, sind aufgrund der begrenzten Studienpopulation nicht möglich. (red/idw, 12.10.2015)

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