Häupl entscheidet Duell mit Strache für sich, Rot-Grün kann weiterregieren

12. Oktober 2015, 02:22
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Die SPÖ bleibt deutlich die stärkste Kraft in Wien, muss aber Verluste hinnehmen. Die FPÖ gewinnt weniger stark als erwartet. Die Grünen verlieren leicht, die ÖVP ist einstellig und Vierte. Die Neos sind im Gemeinderat

Die Meinungsforscher waren bis zuletzt im Feld, noch am Abend zuvor konnten sie nicht dezidiert sagen, wie die Wien-Wahl ausgehen würde. Laut manchen Rohdaten lagen SPÖ und FPÖ gleichauf. Es schien nicht ausgeschlossen, dass Heinz-Christian Strache am Sonntag über Bürgermeister Michael Häupl triumphieren würde.

foto: roland schlager
Wiens Bürgermeister Michael Häupl feierte mit Freunden und Genossen den ersten Platz, der Verlust von fünf Prozentpunkten rückte dabei in den Hintergrund.

Sonntagabend war dann klar: Die SPÖ bleibt mit 39,5 Prozent doch deutlich vorn. Das Duell Rot und Blau, das die Wahlkampfstrategen beider Parteien ausgerufen und inszeniert hatten, war entschieden. Die SPÖ feierte den Verlust von knapp fünf Prozentpunkten wie einen Sieg. Häupl ortete am Sonntag dennoch Reformbedarf in seiner Partei, er will die SPÖ modernisieren, wie er sagte. Aber er wird wohl weiterhin Bürgermeister und SPÖ-Landeschef bleiben.

Verluste auch für Grüne und ÖVP

Die Freiheitlichen konnten sich über ihren zweiten Platz nicht ganz freuen, ihnen waren deutlich höhere Gewinne prognostiziert worden. Sie kamen am Sonntag auf 32,3 Prozent, nach Auszählung aller Wahlkarten dürfte das Ergebnis laut Hochrechnung bei 31 Prozent liegen, das bedeutete einen Gewinn von etwa fünf Prozentpunkten.

Neben der SPÖ mussten auch Grüne und ÖVP Verluste hinnehmen, freuen durften sich dagegen die Neos, die 2010 noch nicht existierten und am Sonntag den Sprung in den Gemeinderat schafften. Mit 6,2 Prozent konnte Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger zufrieden sein. Das Ergebnis bedeutet jedenfalls, dass künftig fünf pinke Abgeordnete im Gemeinderat sitzen, dazu kommen noch etliche Mandate auf Bezirksebene.

Für die Grünen war der Sonntag eine Enttäuschung. Sie wurden offenbar Opfer des ausgerufenen Duells Häupl gegen Strache, etliche Grün-Sympathisanten entschieden sich für eine taktische Wahl und stimmten für Rot, um Strache zu verhindern. Das geht recht deutlich aus den ausgewerteten Wahlmotiven hervor. Die Grünen kamen am Sonntagabend auf 11,1 Prozent, das ist mehr als ein Prozentpunkt weniger als 2010.

Hoffen auf Wahlkarten

Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou hatte für den Fall, dass die Grünen hinter ihr 2010er-Ergebnis fallen würden, ihren Rücktritt angekündigt. Wovon die Grünen aber noch profitieren könnten: Am Sonntag waren 160.000 der 204.000 Wahlkarten nicht ausgezählt. Die Grünen sind bei den Wahlkarten generell recht gut und hoffen noch auf ein Mandat, dann hätten sie wieder elf, gleich viele wie bisher.

Für die ÖVP setzte es die erwartete Niederlage, der sich zuletzt auch innerhalb der Partei kaum noch jemand entgegengestemmt hatte. Der Wiener ÖVP-Obmann und Spitzenkandidat Manfred Juraczka musste ein einstelliges Ergebnis und das Abrutschen auf Platz vier rechtfertigen, es ist das historisch schlechteste, das die ÖVP in der Bundeshauptstadt erzielt hat: Knapp neun Prozent, das sind fast minus fünf Prozentpunkte. ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner forderte daraufhin eine "vollkommene Neuaufstellung", der Rücktritt Juraczkas war der erste Schritt dazu.

Unter den Kleinparteien erzielten Gemeinsam für Wien, die Liste türkischstämmiger Wiener, mit 1,2 Prozent und Wien anders mit einem Prozent Achtungserfolge, allerdings ohne Relevanz.

Verschiebungen auf Bezirksebene

Die Ergebnisse der Bezirksvertretungswahl brachten erstmals zwei blaue Bezirkschefs (Simmering, Floridsdorf), die SPÖ stellt 16 Bezirksvorsteher, die ÖVP drei (Josefstadt, Hietzing, Döbling) und die Grünen zwei (Neubau, Währing). Aber auch hier sind Verschiebungen durch die Briefwahlauszählung noch möglich. (red, 12.10.2015)

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