Rot-Grün behält Mehrheit, Vassilakou möchte bleiben

12. Oktober 2015, 00:16
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Nach fünfjähriger Regentschaft mussten die Wiener Grünen Verluste hinnehmen: Deswegen zitterte man am Wahlabend um Frontfrau Maria Vassilakou. Doch das rot-grüne Projekt wurde bestätigt.

Schon bei der Stimmabgabe in Hernals gab Maria Vassilakou zu, "ein bisschen nervös" zu sein. Für die Grünen geriet der Wahlabend erst recht zur Zitterpartie. Erstens bangte man wegen der Verluste der SPÖ um den Fortbestand des rot-grünen Prestigeprojekts in Wien. Zweitens hatte sich Spitzenkandidatin Vassilakou (46), seit fünf Jahren Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin, im Wahlkampf riskanterweise zur Disposition gestellt, sollte die Stadtpartei Verluste einstreifen.

Jubel und bohrende Fragen

Nach den ersten Hochrechnungen, die die Wahlkarten berücksichtigten, zeichnete sich ab: Die einzige rot-grüne Landesregierung verfügt auch nach dem Wahlsonntag über eine Mehrheit im Wiener Landtag. Gemeinsam kommen beide Parteien auf 54 statt bisher sechzig von hundert Mandaten. Konkret erreichten die Grünen 11,6 Prozent – was im Vergleich zu ihrem Ergebnis von 2010 mit 12,6 Prozent ein Minus von einem Prozentpunkt ausmacht. Deshalb musste sich Vassilakou im Rathaus mit vielen Fragen nach ihrem Rücktritt herumschlagen.

Bilanz nach Auszählung der Wahlkarten

Sie selbst erklärte, erst nach Auszählung der Wahlkarten zu bilanzieren, und: Wenn sie beim Endergebnis weniger Stimmen als 2010 habe, werde sie zurücktreten. Laut Sora besteht diese Gefahr nicht, weil die Grünen laut Hochrechnung inklusive Wahlkarten rund 1100 Stimmen mehr haben als beim letzten Urnengang. Dazu versicherte auch Klubchef David Ellensohn, dass er davon ausgehe, dass Vassilakou die Partei in die Verhandlungen mit der SPÖ führe – "für eine Koalition der Weltoffenheit" .

Umstrittene Maßnahmen

Trotz des rot-blauen Duells und stetig steigender Flüchtlingszahlen hatten die Grünen lange auf ihre Errungenschaften gesetzt: das 365-Euro-Jahres-Ticket, den Radfahrerbeauftragten. Doch Vassilakous Maßnahmen haben viele Geschäftsleute und Anrainer gegen die Grünen aufgebracht – siehe verkehrsberuhigte Mariahilfer Straße und Ausweitung des Parkpickerls auf äußere Bezirke. Dazu polarisierte ihre beherzte Willkommenskultur für Asylwerber.

Parteichefin Eva Glawischnig bedauerte, dass "viele Grün-Wähler für die SPÖ gestimmt haben", um Heinz-Christian Strache als Bürgermeister zu verhindern. Bei der Wahlparty der Wiener Grünen gab sich Vassilakou nach wie vor "geehrt, Eure Chefin zu sein". (Gudrun Springer, Nina Weißensteiner 12.10.2015)

  • War bereits bei Stimmabgabe "nervös": Für den Fall von Verlusten stellte Maria Vassilakou ihre politische Zukunft infrage. Deshalb musste sich die Grüne im Rathaus mit vielen Fragen nach ihrem Rücktritt herumschlagen.
    foto: robert newald

    War bereits bei Stimmabgabe "nervös": Für den Fall von Verlusten stellte Maria Vassilakou ihre politische Zukunft infrage. Deshalb musste sich die Grüne im Rathaus mit vielen Fragen nach ihrem Rücktritt herumschlagen.

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