Entdeckung der Langsamkeit

Einserkastl11. Oktober 2015, 18:13
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Neben der üblichen Marktschreierei die leisen Töne zu hören erfordert Zeit und Aufmerksamkeit

In einer Zeit, in der einfache Botschaften und nicht weiter überprüfbare, aber umso eifriger verbreitete Gerüchte oder gar handfeste Lügen zum traurigen Politik- und Medienalltag gehören, muss man besonders gut hinhören.

Auf jene Stimmen, die sich nicht in größter Lautentwicklung zu Wort melden. Auf jene Stimmen, die vernünftig zu argumentieren versuchen, auch wenn dieses Grundvernünftige nicht eben sexy daherkommt, weil wir es kaum noch gewohnt sind, dass etwas ohne eine beinhart kalkulierte Inszenierung vermittelt werden soll.

Mit diesen Inszenierungen verhält es sich ein wenig wie mit Pornos. Gewöhnt man sich an das aufgetakelt übertunte Schauspiel, braucht es immer heftigere Reize, um das Interesse noch steigern zu können.

Wir sind verwöhnt und verdorben von der Fünf-Minuten-Aufmerksamkeitsgrenze, wollen unterhalten werden und wie ein Kleinkind von einem Thema zum anderen hüpfen. Alles, das länger dauert, hat kaum eine Chance.

Die gut recherchierten, leisen Artikel knallen eben nicht so fett hinein wie die Wutoma. Sie brauchen Zeit zum Entstehen. Dasselbe gilt für jene politischen Vertreter, die sich entschlossen haben, authentisch und faktenbezogen bleiben zu wollen: Es geht vordergründig, wenn nicht unbedingt nachhaltig, schneller voran, wenn man im Geilomobil unterwegs ist statt in der Expertenrunde. (Julya Rabinowich, 11.10.2015)

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