Surface Book: Wie der Microsoft-Laptop entstand

11. Oktober 2015, 13:54
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Sechs Monate Entwicklungszeit für Display-Halterung – Gerät sorgte für Überraschung am Microsoft-Event

Was Microsoft auf seinem letzten Event präsentierte, war im Wesentlichen bereits viele Wochen zuvor durchgesickert. Mit einer Ausnahme: Das Surface Book, den ersten Laptop aus eigenem Hause, konnten die Redmonder lange geheim halten. Erst wenige Tage vor der Veranstaltung tauchten überhaupt Gerüchte über ein mögliches größeres Surface-Gerät auf.

Was man dann schließlich enthüllte, sorgte für Erstaunen. Das Surface Book präsentierte sich als großes Convertible und technische Meisterleistung in mehrerlei Hinsicht. Mashable hat seine Entstehungsgeschichte etwas aufgearbeitet.

Groenes Werk und Panays Beitrag

Neben dem Manager Panos Panay ist der Chefdesigner Ralf Groene in hohem Maße verantwortlich für die Entstehung des Geräts. Ein Modell, wenn auch ein reines Anschauungsobjekt ohne Funktion, ist bereits vor einigen Jahren entstanden. Mit dem finalen Produkt hat es aber kaum noch etwas gemein, sieht man davon ab, dass sich beide wie ein Laptop öffnen und schließen lassen.

Es fehlte die zündende Idee, ehe Groene seinen Technikern den Auftrag gab, das Display abnehmbar und das neue Gerät zum besten Notebook überhaupt zu machen. Angesichts des fehlenden Erfolges der ersten Windows 8-Convertibles, die damals auf den Markt gekommen waren, sorgte dieser Vorstoß zuerst für wenig Begeisterung.

Denn diese Geräte mussten für ihre hybride Umsetzung allesamt Kompromisse eingehen und waren letztlich weder großartige Tablets noch überzeugende Laptops. Auch Microsofts ersten beiden Surface-Generationen stießen nur auf wenig Gegenliebe bei der Kundschaft.

Sechs Monate Entwicklung für "Snake Hinge"

Der Versuch allen Ansprüchen in einem kombinierten Produkt gerecht zu werden, begann mit einer Forschungsphase zur Anbringung des 13,5-Zoll-Displays. Dieses durfte die Gesamtkonstruktion in keinem Fall kippen lassen und musste gleichzeitig stabil im eingestellten Winkel verharren. Sechs Monate später war der von vielen als "Snake Hinge" bezeichnete Gelenksmechanismus geboren.

Dieser ist freilich nicht alleine für die Balance zuständig, zumal der Gewichtsunterschied zwischen der Basis des Surface Book und des "Clipboards" nicht besonders groß ist. Auch die Wahl der Hardware-Ausstattung der Tableteinheit spielte aus diesem Grunde eine wichtige Rolle. Es galt sorgfältig zu wählen, wie groß etwa der Akku ausfallen könne. Dank dieser Überlegungen wurde das Gerät auch zum ersten Produkt, in dem die dedizierte Grafikkarte und der Prozessor nicht auf ein und demselben Bauteil sitzen.

Klickgeräusch für Sicherheit

Für die Festigkeit der Verbindung von Basis und Tablet sorgen kleine Metallplatten. Das An- und Abklemmen funktioniert mit Federn. Diese wiederum sind aus Nitinol gefertigt, einer Titan-Nickel-Legierung, die über hervorragendes Formgedächtnis verfügt. Der Mechanismus selbst erzeugt eigentlich keinen Lärm, wurde jedoch so verändert, damit zur Versicherung der User ein Klickgeräusch wahrnehmbar ist, wenn die beiden Teile des Surface Book getrennt oder zusammengesteckt werden.

Zur Verbindung der beiden Teile des Geräts kommt der gleiche "Surface Connector" zum Einsatz, den Microsoft bereits für das Surface Pro 3 erarbeitet hat. Denn dieser war von Anfang an darauf ausgelegt, unabhängig von der Ansteckrichtung zu arbeiten und schnellen Datenverkehr zu erlauben.

MacBook Pro-Konkurrent

Bei der Vermarktung hat Microsoft aus vergangenen Fehlern gelernt. Bevor Panay auf der Bühne in New York demonstrierte, dass sich das Display abnehmen und als eigenständiges Tablet nutzen lässt, stellte er das Surface Book als Laptop vor. In der Tat hört das Unternehmen die Bezeichnung "Convertible" für das Gerät eher ungern. Das wiederum könnte zu Missverständnissen führen, wurde die Surface-Reihe doch bislang eben mit ihrem 2-in-1-Konzept beworben.

Begründet wird dies auch mit dem Vergleich zum iPad, den viele Kritiker bei der ersten Surface-Generation gezogen hatten. Panay ist der Meinung, dass diese oftmals die Leistungsfähigkeit des Gerätes übersehen und sich zu sehr auf Äußerlichkeiten, konkret Dicke und Gewicht, konzentriert hatten. Beim Surface Book erhofft er sich, dass die Tester es dem MacBook Pro gegenüberstellen werden, wie es auch Microsoft selbst getan hatte.

Warten auf Nachahmer

Sowohl Apple als auch Google haben sich derweil dem Surface 3 Pro angenähert. Das neue iPad Pro kommt mit großem Display und Tastaturdock und auch das Pixel-C hat sich beim Konkurrenten mehrere Scheiben abgeschnitten. Panay rechnet auch damit, dass auf kurz oder lang andere Unternehmen sich auch vom Surface Book inspirieren lassen werden. (gpi, 11.10.2015)

  • Die große Überraschung des Microsoft-Events: Das Surface Book.
    foto: microsoft

    Die große Überraschung des Microsoft-Events: Das Surface Book.

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