Australier protestieren gegen umstrittenes Flüchtlingslager

11. Oktober 2015, 12:00
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Kritik von Tausenden Menschen an hartem Kurs der Regierung – Ärzte fordern Ende der Lagerinternierung von Kindern

Canberra/Melbourne/Sydney – In Australien haben am Sonntag tausende Menschen gegen die Asylbewerberlager des Landes auf Inseln im Pazifik demonstriert. Unter Rufen wie "Lasst die Flüchtlinge frei" forderten die Teilnehmer in Sydney, Melbourne und anderen Städten die Schließung der Lager, die von Menschenrechtsgruppen seit langem scharf kritisiert werden.

Der harte Kurs der australischen Regierung in der Flüchtlingspolitik sieht vor, dass Flüchtlinge, wenn sie per Boot nach Australien kommen wollen, zurückgeschickt oder sofort in Lager auf Nauru oder auf der Insel Manus (Papua-Neuguinea) gebracht werden.

Ihnen wird die Einreise verweigert, selbst wenn sie als Flüchtlinge anerkannt werden. Nach offiziellen Angaben von Ende August sind etwa 1600 Asylbewerber, darunter 114 Frauen und 93 Kinder, in den Lagern außerhalb Australiens untergebracht.

Die australische Regierung traf bereits eine Vereinbarung mit Kambodscha, derzufolge das Land Flüchtlinge im Gegenzug für Millionenzahlungen aufnehmen soll. Derzeit ist Australien auch in Gesprächen mit anderen Ländern, darunter die Philippinen.

Ärzte fordern Ende der Lagerinternierung von Kindern

Krankenhausärzte in der australischen Stadt Melbourne weigern sich, von ihnen behandelte Flüchtlingskinder wieder zu entlassen. Die Kinder würden von der Einwanderungsbehörde zurück in Auffanglager gebracht, wo ihre Gesundheit und ihr Wohl gefährdet seien, argumentierten die Ärzte des Royal Children's Hospitals.

Es gebe mehrere Fälle, wo die Ärzte so vorgegangen seien, berichtete der Sender ABC am Sonntag unter Berufung auf das Krankenhaus. Mehr als 1000 Ärzte und Pflegepersonal des Royal Children's Hospitals forderten die Regierung auf, die Internierung von Kindern zu beenden. "Bei internierten Kindern beobachten wir Alpträume, Bettnässen und schwere Verhaltensstörungen. Kinder aus den Lagern entwickeln Angstzustände und Depression", hieß es in einer Mitteilung des Krankenhauses.

Einwanderungsminister Peter Dutton wies die Forderungen der Ärzte zurück. An der strengen Einwanderungspolitik werde nicht gerüttelt, sonst würden die Flüchtlingsboote wieder Kurs auf Australien nehmen, sagte er der Zeitung "Herald-Sun". (APA, 11.10.2015)

  • Demonstranten in Sydney.
    foto: reuters/david gray

    Demonstranten in Sydney.

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