Ikea will nach Vorarlberg

10. Oktober 2015, 13:46
42 Postings

Ikea sucht einen Standort in Vorarlberg. Lustenau hätte ein passendes Grundstück. Grüne und FPÖ befürchten zusätzliche Verkehrsbelastung.

Lustenau – "Lebst du noch oder staust du schon?". Besorgte Bürgerinnen und Bürger in der Vorarlberger Gemeinde Lustenau haben einen bekannten Werbeslogan abgewandelt. Der Grund: Ikea möchte sich in ihrer Nachbarschaft ansiedeln. Die Anrainerinnen und Anrainer befürchten noch mehr Durchzugsverkehr in der durch den Schweizer Einkaufsverkehr arg geplagten Grenzgemeinde.

Die Grünen führen ein weiteres Argument gegen den Konzern ins Treffen: Ikea zahle aufgrund ausgeklügelter Finanzkonstruktionen kaum Gewinnsteuern in Österreich, die Kommunalsteuer für 124 geplante Arbeitsplätze könnte ein kleinerer Betrieb mit hochwertigen Arbeitsplätzen und geringem Flächenverbrauch locker einspielen.

Ikea will in den Westen

Für den Möbelriesen wäre das Grundstück an der Dornbirnerstraße, wenige Autominuten vom Autobahnknoten Dornbirn-Süd entfernt, ein Glücksgriff. Seit Jahren versucht Ikea einen Standort im westlichsten Bundesland zu finden. Bisher vergeblich. Vorarlberger Ikea-Fans fahren zum Möbelkauf nach Ulm (Deutschland) oder St. Gallen (Schweiz).

Mit dem Standort Lustenau könnte Ikea den Bodenseeraum, Liechtenstein, das Schweizer Rheintal bis Graubünden abdecken. Ikea bestätigt Verhandlungen mit der Gemeinde, will jedoch keine Details bekannt geben. In die Diskussion um Verkehrsaufkommen mische man sich nicht ein, sagt Pressesprecherin Barbara Riedl, das zu klären sei Sache der Gemeinde.

Bürgermeister Kurt Fischer (VP) verhandelt seit einem Jahr mit Ikea. Er sieht das Interesse der Schweden als langfristige Möglichkeit, den Einkaufszentren in den Nachbargemeinden Paroli bieten zu können. Dass in seiner Gemeinde der Landesraumplan noch 20.000 Quadratmeter Handelsfläche vorsehe, sei ein Glücksfall. Lustenau müsse sich entscheiden, ob es weiter Transitroute für den Einkaufsverkehrs sein wollte, oder selbst durch einen großen Handelsbetrieb Kaufkraft am Ort binden möchte.

Möbelhaus als Lebensmittelhändler

Sollte sich Lustenau für Ikea entscheiden, wird man nur die Hälfte der gewidmeten Fläche nutzen. Fischer: "Die anderen 10.000 Quadratmeter geben wir zurück." Damit will Fischer verhindern, dass sich im Umkreis von Ikea weitere Billiganbieter ansiedeln.

Bei der Genehmigung von Verkaufsflächen will Fischer äußerste Genauigkeit: "Wir werden darauf achten, dass die Flächen für den Verkauf anderer Güter, vor allem für den Lebensmittelverkauf, genau ausgewiesen werden." Beispielhaft möchte Lustenau hier sein, betont Fischer und lässt durchblicken, dass er Zweifel hat, ob Möbelhäuser und Baumärkte in der Nachbarschaft entsprechende Widmungen für den dort üblichen Lebensmittelverkauf hätten.

Blauer Blechkasten

Ein weiteres Argument gegen Ikea in Lustenau ist das Corporate Design des Möbelhauses. Ein blau-gelber Blechkasten passe nicht neben den Millennium Park, sagen Kritiker. Das Betriebsgebiet ist durch seine gestalteten Dienstleistungs- und Produktionsbetriebe ein Showroom für neue Vorarlberger Gewerbe- und Industriearchitektur.

"Die Nachbarn im Millennium Park sind durchaus offen", zerstreut Bürgermeister Kurt Fischer (VP), der seit einem Jahr mit Ikea verhandelt, die Bedenken. Außerdem werde man mit Ikea über die Außengestaltung reden. Gesprächsbereitschaft über die Architektur zeigt auch Ikea. Barbara Riedl stellt aber klar: "Über die Architektur kann man diskutieren, Ikea wird aber immer erkennbar sein."

Sollte Lustenau nicht an Ikea verkaufen, werde sich das Unternehmen einen anderen Standort in Vorarlberg suchen, sagt Fischer. Der könnte in der Nachbargemeinde Dornbirn sein, "und dann hätten wir wieder nur den Schweizer Durchzugsverkehr". (Jutta Berger, 10.10.2015)

Share if you care.