Wer hat das verblockt?

9. Oktober 2015, 18:38
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Nach Woche 4 ist der erste Head Coach der NFL schon wieder Geschichte und auch ohne Replacement Refs wird Seattle von den Schiedsrichtern beschenkt

Joe Philbin hat den London Ausflug als Head Coach der Dolphins nicht überlebt. Es war wohl weniger die dritte Niederlage in Folge selbst, als das allgemeine Auftreten der Mannschaft in den letzten Wochen, das in Miami das Fass zum Überlaufen brachte. Sein Nachfolger Dan Campbell, seit Jahren Position Coach der Dolphins, will nun den ganzen Laden umkrempeln und eine neue Kultur etablieren. Das wird auch vonnöten sein, hinterließ die Truppe einen abwesenden, bisweilen sogar desinteressierten Eindruck. Er (Campbell) meint, dass das Talent ja durchaus da wäre, um zu bestehen. Im Argen liegt vor allem die Offensive Line, die nur Vorletzter im Ranking gegen den Passrush ist. Dallas Thomas und Jamil Douglas sind die beiden schwächsten Guards der gesamten Liga und sie spielen als Duett vor einem Quarterback, der eine marode O-Line, wie z.B. jene von Green Bay, eben genauso schlecht aussehen lässt wie sie das auch ist. Als Draufgabe hat man sich noch einen Ndamokung Suh geholt, der selbst bei grausamst verpassten Tackles noch ein Lächeln auf seinen Lippen trägt. Da werden wohl noch Köpfe rollen. Heute (Samstag) wurde der Offense Coordinator, Kevin Coyle, von Campbell an die frische Luft gesetzt. Die Aussichten für Miami in der AFC East heuer noch eine Trendumkehr zu schaffen, die sind eher schlecht. New England steht über den Dingen, die Jets und Bills schauen aktuell um zwei Grad schärfer als Miami aus.

Kam-Bam Batting

Das Monday Night Game endete, nicht zum ersten Mal, frustrierend für die Detroit Lions. Sie lagen keine zwei Minuten vor Ende des Spiels drei Punkte zurück und standen kurz vor der Endzone der Seahawks. Calvin Johnson, den sie früher mal Megatron nannten, traf am Weg zum möglichen Score Seahawks Safety Kam Chancellor. Jener Mann, der bis vor kurzem streikte, schlug in einem der besten Defense Plays der letzten Zeit Johnson den Ball aus den Händen, noch bevor der sechs Punkte erzielen konnte. Dem schönen Play folgte allerdings ein Vergehen von K.J. Wright, der den Ball mit einem Schubser aus der Endzone beförderte. Illegal Batting – die Referees sahen das aber anders. Die Zeitlupe zeigte, dass sie sich irrten. Detroit hätte in Ballbesitz bleiben müssen und wäre damit zumindest in Position gewesen, in eine Overtime zu gehen. Ein Judgement Call, der wegen eines Zeitlupenbeweises nicht mehr umgedreht werden kann. Blöd gelaufen, wieder einmal.

Bereits im Jänner dieses Jahres unterlag Detroit im Wild Card Game Dallas, als eine Flag wegen Pass Interference gegen die Cowboys einfach so – mir nichts, dir nichts – wieder aufgehoben wurde. Auch erinnerten sich manche spontan an den 24. September 2012, als die Seahawks als erstes und bisher auch einziges Team in die Geschichte der Liga eingingen, die eine Interception zum Touchdown werfen können. Damals streikten allerdings die NFL Referees und die Replacement Refs stotterten sich zur heute bereits legendären "Fail Mary". Am Sonntag fährt Seattle nach Cincinnati. Sie werden nach den bisher gezeigten Leistungen dort mehr als eine Fehlentscheidung zu ihren Gunsten brauchen, um gegen die Bengals zu bestehen.

Wenn vorhin die Rede war von der zweitschwächsten Offense Line der Liga in Sachen Pass Blocking war – die aller schwächste war Montagnacht involviert. Matthew Stafford ist Freiwild für jeden Gegner. Die Lions stehen als einziges Team noch ohne Sieg da und empfangen am Sonntag Arizona. Die Cardinals kommen mit einem dicken Hals nach Michigan, mussten sie am vergangenen Wochenende die erste Saisonniederlage hinnehmen. Die Cards erzielten zwar die doppelte Anzahl an First Downs gegen St. Louis und über 100 Yards Offense standen ihnen am Ende mehr zu Buche, sie spuckten aber mehrmals den Ball aus, ließen gute Chancen ungenutzt und wurden von den Rams dafür folgerichtig bestraft. Die NFC West ist weit offen, was aber für eine Mannschaft nur ein schwacher Trost sein kann.

Offenselos in San Francisco Reden wir über Pass-Blocking der Mittelklasse. Die 49ers sind die Nummer 18 der Liga wenn es darum geht, ihren Quarterback zu beschützen. Nicht besonders gut, aber immer noch besser als San Diego, Chicago, St. Louis, Baltimore, Seattle, Indianapolis oder Denver. Nur was hilft es, wenn du einen Quarterback hast, der den Ball zehn Meter weit ungespitzt in den Boden rammt, als hätte er einen Sponsorendeal für den längsten Spike aller Zeiten am Laufen. Sind wir uns da jetzt endlich mal ehrlich: Wir sind vorerst fertig mit Colin Kaepernick und er ist fertig mit der NFL. Es traut sich nur niemand ihm das sagen. Schon gar nicht sein Trainer, der dann vielleicht noch früher Ex-Trainer ist, als im Jänner 2016.

Jim Harbaugh hat 2014 ganze Arbeit geleistet und die Mannschaft, die er jahrelang aufgebaut hat, wieder komplett kaputt gemacht. Weil es nicht mehr seines ist, hat er es zerbissen. Und das Board der Franchise hat dabei zugesehen. Daher geht es zurück zum Start, denn die 49ers sind 2015 dort, wo sie 2005 waren: Ein 4-12 Team und Letzte der NFC West.

Im B-Anzug

Die NFC South Teams aus Atlanta und New Orleans (erster Saisonsieg + Drew Brees ist im 400er Club gelandet) hatten ihre Freude mit den Dallas Cowboys, die eine ganze Reihe ihrer Stars vorgeben mussten. Man muss den Texanern trotzdem ein gutes Zeugnis ausstellen, denn selbst mit dem zweiten Anzug auf vielen Positionen, spielten sie auf Augenhöhe mit und hatten in beiden Partien die Möglichkeit sie auch zu gewinnen. Das lindert den Schmerz nur ein wenig, denn es droht der Verlust der Tabellenführung in der NFC East, da die Giants und Redskins (!) damit begonnen haben, Spiele auch mal zu gewinnen. Ein Trostpflaster, bevor Wideout Dez Bryant und dann später Quarterback Tony Romo wieder am Platz stehen werden: Defensive End Gregy Hardy und Linebacker Rolando McCLain kehren am Sonntag ins Lineup zurück und sollten der Defensive mehr Möglichkeiten geben. Die schlechte Nachricht ist, dass die Patriots in die Stadt kommen (ab 22:25 Uhr live auf Puls 4) und damit ein Gegner, den man momentan mit einem Brandon Weeden als Starter nur ganz schwer outscoren kann. Es wird ein langer Abend für die Defense, die mit der Entschärfung der Waffen Tom Bradys viel Beschäftigung finden wird. Andererseits wäre ein Heimsieg gegen so ein Team, in so einer Phase, ein Statement gegenüber der Konkurrenz, welches in New York und Washington auch in den Köpfen einschlagen wird.

Der langfristige Worst Case wäre eine Niederlagenserie und damit ein Rückfall in der Division, der eine Aufholjagd im letzten Saisonviertel bedingt. Das war selten noch das Ding der Cowboys, im Dezember für Furore zu sorgen. Im Vorjahr allerdings waren sie in dem Monat ein 4-0 Team. Das erste Mal seit 2009, dass Dallas in der Phase positiv bilanzierte. Möglicherweise wird sich das heuer wiederholen müssen, um die Post Season zu erreichen.

Ring, Ring?

Ich bin ja schon ein großer Fan von Peyton Manning. Auch heute noch. Denver ist 4-0 und Peyton hat damit leider nicht wirklich viel zu tun. Wobei – ich ziehe meine Pass-Blocking Statistik – Denver ist die Nummer 20 und damit schwächer als San Francisco. Darauf kann man eine Verteidigung des ehemals besten Quarterbacks der Liga in seinem Spätwinter aufbauen? Naja. Die derzeit beste Defense der Liga zog Baltimore, Kansas City, Detroit und zuletzt auch Minnesota die Zähne. Der Spielplan bis zur Bye Week schaut mit Oakland und Cleveland auch recht freundlich aus, aber ich glaube nicht mehr daran. An den zweiten Ring für einen Manning der nicht in New York spielt. (Ich hatte zuletzt einen Alptraum. Die Giants gewannen die Super Bowl 50. Gegen Denver. Danach zog sich Eli sein Jersey aus, auf seinem blassen Bauch stand: 3-1 Big Bro!). Es wird in der Division für den Titel reichen, auch wenn Oakland besser aussieht als die vergangenen Jahre. Dafür taumeln die Chiefs ja von einem Eck ins andere und die Chargers, naja, die sind halt die Chargers. Die werden schon nichts tun. Haben sie ja noch nie. Der Spruch, dass die Defense Championships gewinnt, der hat natürlich was Wahres an sich. Es geht aber auch andersrum oder im Umkehrschluss: Mit einer schwachen Offense wirst du das Ding auch nicht gewinnen. Brady, Wilson, Flacco, E. Manning, Rodgers, Brees, Roethlisberger hießen die Super Bowl gewinnenden Quarterbacks der vergangenen zehn Jahre und jeder spielte in der Saison eigentlich am Zenit. Die Hoffnung stirbt zuletzt bzw. dann im Duell gegen New England … ?

Football im TV

Für die Saison 2015 hat sich Pro7/sat1 ein umfangreiches Rechtepaket von 50 Live-Spielen gesichert. Pro7maxx überträgt jede Woche ein Frühspiel (19:00 Uhr) und im Anschluss ein Abendspiel (22:05 od. 22:25 Uhr). Davon profitiert auch Puls 4, welches 30 Spiele live überträgt. Jeden Sonntag ein 22:25 Uhr Spiel, zwei Nachmittagspartien (15:30 Uhr) aus dem Wembley Stadion, so wie alle Playoffs, sprich vier Wild Card-Spiel, vier Divisional Playoffs, die beiden Conference Finals und die Super Bowl 50. Alle 30 Partien darf ich zusammen mit Michael Eschlböck kommentieren. Sport1US hat den Zug anfangs verpasst und sich nachträglich die Rechte für die Nachtspiele am Donnerstag (2:25 Uhr), so wie Sonntag und Montag (jeweils 2:30 Uhr) geholt. Alle Spiele live, den Redzone Channel und condensed games gibt es im NFL Gamepass zu sehen. Das Sportportal Spox hat Online-Rechte für die Nachtspiele am Donnerstag, Sonntag und Montag erworben. (Walter Reiterer, 9.10.2015)

Das NFL-TV-Programm der Woche 5:

Cincinnati Bengals vs. Seattle Seahawks
Sonntag 19:00 Uhr – Pro7maxx

Dallas Cowboys vs. New England Patriots
Sonntag 22:25 Uhr – Puls 4/Pro7maxx

New York Giants – San Francisco 49ers
Nacht Sonntag auf Montag 02:30 Uhr – Sport1US/spox.com

San Diego Chargers vs. Pittsburgh Steelers
Nacht Montag auf Dienstag 02:30 Uhr – Sport1US/spox.com

Schöne Spiele und vielleicht bis Sonntag. Ihr Walter Reiterer

  • Die Seattle Seahawks gewannen das Monday Night Game gegen die Detroit Lions nach einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung.
    foto: scott clarke / espn images

    Die Seattle Seahawks gewannen das Monday Night Game gegen die Detroit Lions nach einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung.

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