ÖBB-Personal-Karussel kommt in Fahrt

10. Oktober 2015, 08:00
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Die geplanten Weichenstellungen bringen weitere Abgänge in den Führungsetagen der ÖBB in Gang

Wien – Mit den geplanten Revirements in den Chefetagen von ÖBB-Personenverkehr und Rail Cargo Austria (RCA) kommt Bewegung in das ÖBB-Führungspersonal. Im Windschatten der anstehenden Neubesetzungen sickern nach und nach Informationen über weitere Abgänge durch. So ist neben RCA-Finanzchef Georg Kasperkovitz – er löste seinen bis Februar laufenden Vertrag vorzeitig per Ende Dezember auf – auch Stückgut-Chef Clemens Först im Stadium abeundi.

Wie Kasperkovitz war auch McKinsey-Berater Först 2011 von ÖBB-Holding-Chef Christian Kern in die Staatsbahn geholt worden. Zunächst als Strategiechef, ehe der promovierte Techniker 2015 zum Chef des Dauerpatienten Kontraktlogistik (ehemals Stückgut) avancierte, der vom Güterverkehr an die Holding "ausgegliedert worden war. Anfang Dezember werde Först die European Contract Logistics (ECL) auf eigenen Wunsch verlassen, erfuhr der STANDARD in Aufsichtsratskreisen und bei der Deutschen Bahn andocken. Als sein Nachfolger wird Noch-RCA-Chef Eric Regter gehandelt, ein Vertrauter des ÖBB-Holding-Chef.

Wanderpokal Stückgut

Auf eigenen Wunsch verabschieden dürfte sich in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch auch ÖBB-Personenverkehr-Finanzchef Georg Lauber. Er habe das Angebot, als Geschäftsführer in die ECL zu wechseln, bereits ausgeschlagen, bestätigen Personen in seinem Umfeld.

Kasperkovitz' Begründung für seine eilige Abfahrt: "Die angedachte Vorstandszusammensetzung erscheint mir nicht zielführend", heißt es in seinem Abschiedsmail, das am Abend des 5. Oktober an ausgewählte RCA-Mitarbeiter ging. "Es wird Sie nicht überraschen, dass ich für ein ,Zurück in die Vergangenheit' nicht zur Verfügung stehe", heißt es in dem Brief, der dem STANDARD zugespielt wurde.

Neuer alter Güterchef

Damit kann nur die angedachte Neubesetzung des RCA-Chefsessels mit Ferdinand Schmidt gemeint sein. Der 64-Jährige war von 2000 bis 2004 im ÖBB-Vorstand für den Absatzbereich zuständig, danach bis 2010 Vorstandsdirektor in der RCA. In seine Ära fällt der Kauf der ungarischen Güterbahn MávCargo. Die vergangenen fünf Jahre verbrachte der frühere Airline-Manager an der Spitze von ÖBB-Produktion und Technische Services.

Dem Aufsichtsrat der ÖBB-Holding wurde Schmidt am Dienstag als Vorschlag für die RCA-Spitze präsentiert. Ob der RCA-Aufsichtsrat dem Vorschlag in seiner Sitzung am Donnerstag folgt, bleibt abzuwarten. Da mit der Gewerkschaft noch intensiv verhandelt werde, sei es gut möglich, dass der Beschluss erst in der Dezember-Sitzung erfolgt, sagen mit den Vorgängen vertraute Personen.

Mehr Frauen

Im Personenverkehr sieht das dem Holding-Aufsichtsrat am Dienstag präsentierte Personalpaket eine Verdoppelung der Frauenquote vor: Als Nachfolger für Lauber und Birgit Wagner werden Valerie Hackl (ÖBB-Strategie) und Eveline Palla (Controlling) genannt. Ihnen könnte ein Verkehrsverbund-Manager beigestellt werden. (Luise Ungerboeck, 10.10.2015)

  • Nicht neue Schaffner, aber neue Zugführer für Personen- und Güterverkehr braucht die ÖBB.
    foto: robert newald

    Nicht neue Schaffner, aber neue Zugführer für Personen- und Güterverkehr braucht die ÖBB.

  • Formiert ein neues Führungsteam für den ÖBB-Absatzbereich mit neuen Vertrauensleuten
    foto: apa / herbert pfarrhofer

    Formiert ein neues Führungsteam für den ÖBB-Absatzbereich mit neuen Vertrauensleuten

  • Endlich an die Spitze der RCA vorrücken könnte Ex-Airline-und Langzeit-ÖBB-Manager Ferdinand Schmidt.
    foto: robert newald

    Endlich an die Spitze der RCA vorrücken könnte Ex-Airline-und Langzeit-ÖBB-Manager Ferdinand Schmidt.

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