Lernen 2.0, irgendwann auch in Österreich

10. Oktober 2015, 08:00
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Wissenschaftsstaatssekretär Mahrer spricht von digitaler Bildungsrevolution und will dafür "ernst gemeinte Autonomie"

Wien – Mit einem hierzulande noch etwas unterbelichteten Thema wartete Donnerstag Abend der Vorstand der deutschen Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger, auf. Eingeladen von Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) befand Dräger: "Bildung wird digital. Ob wir das wollen oder nicht. Es gibt keinen Stopp-Knopf."

Soll es auch nicht geben, wenn es nach Mahrer geht. Er möchte digitale Bildung nicht als Bedrohung, sondern als Chance sehen. Erst damit würde die oft geforderte Individualisierung und Personalisierung tatsächlich möglich, findet Mahrer. Tablet-Klassen (wie von ÖVP-Regierungskollegin Sophie Karmasin und Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek vor kurzem präsentiert) würden hier "nicht den großen Unterschied" machen, es gehe um viel mehr.

Um besser zu veranschaulichen, worum genau, präsentierte Dräger Beispiele aus seinem neuen Buch "Die digitale Bildungsrevolution":

Da ist die Rede von jener Brennpunktschule in New York City, in der jedes der 90 Schulkinder unterschiedlicher Altersstufen für sich lernt, "alle digital – die einen schauen sich Videos am Tablett an, die anderen machen Lernspiele", wieder andere würden miteinander diskutieren. Am Ende des Tages absolvieren alle einen Test, online selbstverständlich. Über Nacht wertet dann ein Computer im Rechenzentrum die Testergebnisse aus und erstellt auf deren Basis für jeden Schüler ein individuelles Lernprogramm für den nächsten Tag. Laut Dräger erreicht die Schule damit "um 50 Prozent mehr Lernfortschritt" als andere Schulen – "und das obwohl 80 Prozent der Eltern Sozialhilfe beziehen". Der Lehrer ist in so einem System mehr Coach denn Wissensvermittler. Die gewonnene Zeit könne für soziale Interaktionen genutzt werden.

Damit Ähnliches in Österreich möglich werden kann, brauchen Schulen die nötigen Freiräume, glaubt Mahrer. Heißt, mit Blick auf die für 17. November angekündigte Bildungsreform: ""Wir brauchen eine ernst gemeinte Autonomie, damit wir das umsetzen können." Es sei nötig, "Freiräume zu schaffen, damit die Leute sich nicht am Ausprobieren gehindert fühlen". Gemeint seien damit "auch budgetäre Freiräume, um Hardware oder Software anzuschaffen". Dass es die nötigen, innovativen Lehrer gibt, daran zweifelt Mahrer nicht. (Karin Riss, 10.10.2015)

  • Kinder und neue Medien: Muss nicht immer böse sein, findet Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP).
    foto: dpa/frank kleefeldt

    Kinder und neue Medien: Muss nicht immer böse sein, findet Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP).

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