"Ashley Madison"-Hack: Erpressungen in Österreich gehen weiter

12. Oktober 2015, 09:27
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Internet Ombudsmann empfiehlt Betroffenen auf keinen Fall zu zahlen

Es ist still geworden um den Hackerangriff und Datenstiebstahl beim Seitensprungportal "Ashley Madison". Einige der Betroffenen dürften indes noch keine Ruhe gefunden haben. Im Sommer waren Millionen Nutzerdaten veröffentlicht und zuletzt auch Passwörter geknackt worden. Mehrere Kunden wurden Ziel von Erpressungsversuchen, darunter auch der Österreicher Bernhard Mayer (Name von der Redaktion geändert).

Lösegeldforderung in Bitcoins

Das erste Mail kam am 25. Juli, erzählt Mayer dem STANDARD. Darin wurde er auf Englisch zur Zahlung von 5 Bitcoins aufgefordert, umgerechnet etwas über 1.000 Euro. Der oder die Erpresser setzten Mayer eine Frist von 24 Stunden. Andernfalls würde eine Website mit den Daten veröffentlicht und Mayers Kollegen, Freunde und Verwandte "überrascht", heißt es in dem E-Mail. Mayers Daten wurden in dem Mail ebenfalls mitgeschickt.

Mayer zahlte nicht, die angedrohte Datenveröffentlichung blieb aus. Der Spuk war damit jedoch nicht vorbei, denn am 8. Oktober meldeten sich die Erpresser nun wieder. Zur örtlichen Polizei will er nicht gehen. Die habe "von Cyberkriminalität so viel Ahnung wie von Kernspaltung", so der Mann. Angst, dass seine Daten veröffentlicht werden, habe er nicht. Seine damals bei "Ashley Madison" verwendete Kreditkarte sei längst gesperrt worden. Er sei geschieden und habe aktuell keine Partnerin. Die Drohung der Erpresser aus dem E-Mail, dass eine Scheidung teurer sei als ihnen die geforderte Summe zu zahlen, prallt an ihm ab.

Wie sich Betroffene verhalten sollen

Beim Internet Ombudsmann, einer Beratungsstelle für österreichische Internet-Nutzer, hat man bislang noch keine Beschwerden zu "Ashley Madison" erhalten, so Geschäftsführer Bernhard Jungwirth. Allerdings habe man in den vergangenen Monaten einen Anstieg von sogenannter Sextortion in sozialen Netzwerken vermerkt. Dabei werden vor allem junge Männer von vermeintlich weiblichen Nutzern dazu überredet bei einem Sex-Chat mitzumachen oder explizite Videos und Fotos zu senden. Danach verlangen die Erpresser einen Geldbetrag, sonst wird mit der Veröffentlichung der Nacktfotos gedroht.

Im Fall von "Ashley Madison"-Erpressungen rät Jungwirth Betroffenen das Gleiche wie Opfern von Sextortion: auf keinen Fall zahlen. Zumeist würden die Daten ohnehin nicht veröffentlicht. Wenn man das Geld bezahlt, würde man das Vorgehen der Erpresser nur unterstützen. Und diese würden eventuell noch weitere Forderungen stellen. Wenn ein Online-Dienst gehackt wurde, sollten Nutzer zudem ihre Passwörter ändern, sofern sie gleiche oder ähnliche Logins bei anderen Diensten verwenden.

Weitere Informationen

Die Initiative Saferinternet bietet weitere Informationen zum Thema Sextortion und richtet sich vor allen an Eltern und Lehrpersonal. Die Seite Watchlist-Internet gibt online auch eine Hilfestellung, wie man Anzeige bei der Polizei erstattet. (Birgit Riegler, 12.10.2015)

  • Nach dem Hackerangriff auf das Seitensprungportal "Ashley Madison" werden noch immer Nutzer erpresst.
    foto: ap photo/lee jin-man

    Nach dem Hackerangriff auf das Seitensprungportal "Ashley Madison" werden noch immer Nutzer erpresst.

  • So versuchen Online-Kriminelle "Ashley Madison"-Kunden zu erpressen. (Daten von der Redaktion geschwärzt.)
    screenshot: red

    So versuchen Online-Kriminelle "Ashley Madison"-Kunden zu erpressen. (Daten von der Redaktion geschwärzt.)

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