Muskulöse Haftstreifen: Wie Froschzungen funktionieren

11. Oktober 2015, 12:10
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Forscher konnten erstmals zeigen, was beim Kontakt einer Froschzunge mit einer Oberfläche passiert

Kiel – Die langen klebrigen Zungen, mit denen sie sich Fliegen und andere Insekten einfangen, zählt zu den geradezu klassischen Froscheigenheiten. Wie diese tricktreichen Organe funktionieren, ist dagegen keineswegs im Detail geklärt. Nun haben deutsche Wissenschafter erstmals beobachtet, was genau beim Kontakt einer Froschzunge mit einer Oberfläche passiert. Dabei fanden sie Übereinstimmungen mit herkömmlichem Klebeband.

Denn ähnlich wie bei diesen, bilden sich bei den Zungen beim Ablösen von einer Oberfläche zunächst viele kleine Fäden (Fibrillen), die einer nach dem anderen brechen, bevor der Kontakt abreißt. "Wir haben Schmuckhornfrösche dazu verleitet, mit ihrer Zunge gegen eine Glasscheibe zu schlagen, hinter der eine Grille platziert war", erklärt Thomas Kleinteich vom Zoologischen Institut Christian-Albrechts-Universität zu Kiel den Versuch.

Das Glas war mit einer Lichtquelle verbunden, so dass die Stellen, die die Zunge berührte, aufleuchteten. Dieses Aufleuchten filmten die Forscher mit einer Hochgeschwindigkeitskamera mit einer zeitlichen Auflösung von 0,5 Millisekunden, also einer halben Tausendstelsekunde. So konnten sie genau beobachten, wie der Kontakt entsteht und wie er wieder abbricht.

Gleichmäßige Kraftverteilung

Auch die Anatomie der Froschzungen untersuchten die Zoologen. Anhand von 3D-Modellen, die mit einem Mikro-Computertomographen erstellt wurden, konnten sie erkennen, wie einzelne Muskelfasern in der Zunge angeordnet sind. Demnach fächert sich der Muskel, der die Zunge ins Froschmaul zurückzieht, regelrecht unter der Zungenoberfläche auf. Zieht der Frosch nun seine Zunge ins Maul zurück, wird die Kraft über die gesamte Zungenoberfläche gleichmäßig verteilt.

Kleinteich: "Dies hat einen ähnlichen Effekt, wie wenn man versucht, ein Klebeband senkrecht von einer Oberfläche abzuziehen, anstatt es von einer Seite her abzulösen – die Kraft, die man dafür braucht, ist deutlich höher." Dadurch können die Tiere Insekten bis hin zu anderen Fröschen und kleinen Mäusen in einem Stück hochheben. (red, 11.10.2015)


Abstract
Royal Society Open Science: "Frog tongue acts as muscle powered adhesive tape."

  • Der Schmuckhornfrosch (Ceratophrys cranwelli) gehört zu den sogenannten Ansitzjägern, die sich in lockerer Erde eingraben und regungslos auf Beute lauern. Was sie im Detail mit ihren Zungen anstellen, wenn sich eine Opfer in Reichweite begibt, haben nun deutsche Forscher untersucht
    foto: kleinteich

    Der Schmuckhornfrosch (Ceratophrys cranwelli) gehört zu den sogenannten Ansitzjägern, die sich in lockerer Erde eingraben und regungslos auf Beute lauern. Was sie im Detail mit ihren Zungen anstellen, wenn sich eine Opfer in Reichweite begibt, haben nun deutsche Forscher untersucht

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