Politische Nomenklatur, Teil II: Die Raucherpartei

Kolumne9. Oktober 2015, 17:29
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Buhlen um Gunst und Dunst

Am Sonntag finden in Wien Landtagswahlen statt. Neben den traditionellen Parteien buhlen dabei auch ein paar Kleinstparteien um Wählergunst, eine davon sogar um Wählerdunst. Sie heißt Wir Wollen Wahlfreiheit, bekannt als die Raucherpartei. Diese hat auf Facebook immerhin 167 Likes – letzte Woche waren es noch 168, Wechselwähler, verdammte.

Obwohl sie beständig mit Asche zu tun hat, ist es der erste Urnengang der Partei. Ihr Nom de guerre hustet sich aus den Hauptwörtern Raucher und Partei zusammen. Zwar hatte sich diese Gesinnungsgemeinschaft ursprünglich ein anderes Signum ersehnt, doch "Hobby", "Johnny ohne" oder "Ernte 23" mussten aus Copyrightgründen verworfen werden.

Obwohl sie nur eine Kleinstpartei ist, kommt es bei den Versammlungen der Raucherpartei und ihren Sympathisanten immer wieder zu Verkehrsbehinderungen. Wie bei den Großen. Die Polizei spricht in ihrem Zusammenhang von einem Trafik-Jam.

Was fordert die Raucherpartei?

Gelbe Vorhänge in Amtsgebäuden. Verpflichtende Aschenbecher ab der sechsten Schulstufe. Einen eigenen Raucherstreifen auf den Autobahnen. Die Anerkennung von Rauchzeichen als lebende Fremdsprache.

Zugegeben, das sind Wünsche, die im gesellschaftlichen Mainstream auf wenig Gegenliebe stoßen. Doch entgegen ihrem grindigen Ruf muss man der Raucherpartei eines zugutehalten: Sie zählt zu den elegantesten Wahlwerbern des Landes. Alle tragen sie Smoking. (Karl Fluch, 10.10.2015)

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    foto: apa / hochmuth
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