Maria Lassnig: Späte Nationalheilige

13. Oktober 2015, 06:00
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Persönliche Geschichte und Zeitdokument in einem

Dass der neue Lassnig-Film jetzt ausgerechnet am 26. Oktober, dem österreichischen Nationalfeiertag, auf ORF 3 ausgestrahlt wird, kann nur bedeuten, dass die im Mai 2014 mit 94 Jahren verstorbene Malerin Maria Lassnig jetzt doch zur Nationalheiligen aufgestiegen ist.

Der vorliegende Bildband über diese große österreichische Künstlerin ist gewissermaßen "das Buch zum Film". Er dokumentiert zum einen die persönliche Geschichte und spätere Freundschaft des Fotografen Sepp Dreissinger mit "der späten Lassnig" von 1988 bis zu ihrem Tod und ist zum anderen ein Zeitdokument durch die vielen, mit großem Aufwand zusammengetragenen Gespräche mit ihren Weggefährten über diese künstlerische Ausnahmeerscheinung: u. a. mit dem berühmten Kurator Hans Ulrich Obrist über Lassnigs Weltrang, dem Maler Arnulf Rainer, mit dem Lassnig liiert war und mit dem sie, laut Dreissinger, ein "lebenslanger Wettkampf" verband, mit Hans Werner Poschauko, Lassnig-Schüler und späterer engster Mitarbeiter, oder auch Oscar Bronner, der sein Atelier in New York Wand an Wand zu dem ihren hatte.

Ein "Megaprojekt", wie alle Beteiligten versichern, das sich gelohnt hat, sobald man das gute Stück in Händen hält – zum An- und Nachschauen, Ein- und Querlesen. Dreissinger hat die Künstlerin nicht nur regelmäßig in ihren Ateliers besucht, sondern auch auf ihrer geliebten Alm in Kärnten. (Mia Eidlhuber, 13.10.2015)

Sepp Dreissinger (Hg.), "Maria Lassnig. Gespräche & Fotos". € 46,- / 240 Seiten. Album-Verlag, Wien 2015

  • Die künstlerische Anerkennung für die Grande Dame der österreichischen Malerei kam spät, zuletzt durch die Auszeichnung mit dem Goldenen Löwen.
    foto: lukas friesenbichler

    Die künstlerische Anerkennung für die Grande Dame der österreichischen Malerei kam spät, zuletzt durch die Auszeichnung mit dem Goldenen Löwen.

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