Wolfsberg: Turnusärzte wollen geschlossen kündigen

9. Oktober 2015, 15:50
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Jungärzte wehren sich gegen Arbeitsbedingungen: "Wir erhalten keinerlei Ausbildung"

Der Turnusarzt als Systemerhalter sollte eigentlich der Vergangenheit angehören. Dazu wurde im vergangenen Herbst die Ärzteausbildung auf neue Beine gestellt. Sie ist am 1. Juli in Kraft getreten. Jungärzte müssen seitdem nicht mehr die dreijährige Ausbildung zum Allgemeinmediziner absolvieren, sondern können nach einer achtmonatigen Basisausbildung ("Common Trunk") die Facharztausbildung beziehungsweise die Ausbildung zum Hausarzt machen.

Doch für jene Ärzte, die noch in das alte Ausbildungsschema fallen, sind bessere Arbeitsbedingungen nicht garantiert. Das beklagen acht Turnusärzte im Krankenhaus Wolfsberg in Kärnten. Sie drohen in einem dem STANDARD vorliegenden Brief an die Spitalsdirektion, gleichzeitig zu kündigen, sollten sich ihre Ausbildungsbedingungen nicht verbessern. "Nun ist für uns der Punkt erreicht, an dem wir die Situation im Haus weder weiter- noch mittragen wollen", heißt es in dem Schreiben.

Auslaufmodell Turnus

"Wir erhalten keinerlei Ausbildung", erklärt eine betroffene Ärztin (Name der Redaktion bekannt) im STANDARD-Gespräch. Denn derzeit fungieren sie als Systemerhalter, sie versehen ihren Dienst hauptsächlich in der Ambulanz, können nicht an Visiten teilnehmen, müssten Dienstplanlücken auffüllen und haben auch nicht die Möglichkeit, Fortbildungen zu besuchen.

Die schlechte Ausbildungssitutation sei auch auf den "eklatanten Personalmangel" zurückzuführen, sagt Christoph Arneitz, Turnusärztesprecher in Kärnten, im STANDARD-Gespräch. "Früher waren es 20 Turnusärzte in Wolfsberg, heute sind es acht", erklärt er. Für den Kärntner Ärztekammerpräsidenten Josef Huber ist der Turnus ein Auslaufmodell. Die Ausbildungsqualität könne nicht mehr gesichert werden, auch die Reform der Ausbildung weise Lücken auf, denn für die verpflichtende Lehrpraxis für angehende Allgemeinmediziner gebe es keine Finanzierung.

Geht es nach den Turnusärzten, soll die Krankenhausdirektion bis Ende Oktober den Forderungen nachkommen, sonst wollen sie geschlossen kündigen. Nachdem von der ärztlichen Direktion kein Entgegenkommen signalisiert wurde, haben die Turnusärzte in der kommenden Woche mit den Primarärzten einen Termin, um eine Lösung zu finden und die Ausbildungsqualität zu verbessern. (mte, 9.10.2015)

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