EU-weite Umverteilung von Flüchtlingen begonnen

9. Oktober 2015, 14:10
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19 Eritreer wurden nach Schweden gebracht – Aktion soll Italien und Griechenland entlasten

Rom/Stockholm/Genf – In Rom hat am Freitagvormittag die von der EU beschlossene unionsweite Umverteilung von Flüchtlingen zur Entlastung von Italien und Griechenland begonnen. 14 Männer und fünf Frauen saus Eritrea stiegen in ein Flugzeug auf dem Flughafen Ciampino und flogen nach Schweden.

Die Flüchtlinge sollen zunächst in Lulea in einem Flüchtlingslager untergebracht werden. Keiner von ihnen hat Angehörige in Schweden. Sie waren in den vergangenen Wochen in Italien eingetroffen, nachdem sie das Mittelmeer überquert hatten, und danach in Aufnahmezentren auf Sizilien und in Rom gekommen.

Rechtsanwalt werden

"Ich war 17 Tage lang in Italien, wo ich nach einer zweitägigen Seefahrt von Libyen eingetroffen bin. Ich bin froh, nach Schweden zu kommen, ein demokratisches und freies Land. Hier will ich studieren, um Rechtsanwalt zu werden. Italien ist zwar ein schönes Land, es gibt aber keine Arbeit", sagte ein 26-jähriger Flüchtling bei der Abfahrt.

EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos, der für Migration zuständige Luxemburger Außenminister Jean Asselborn und Italiens Innenminister Angelino Alfano verabschiedeten die Flüchtlinge am Flughafen. Avramopoulos bezeichnete den Beginn der Umverteilung als "historischen Tag für Europa" und ein Signal der großen europäischen Solidarität sowohl gegenüber bedürftigen Menschen als auch gegenüber anderen Mitgliedsstaaten.

Internationale Kooperation

Innenminister Alfano erklärte, Italien wolle enger mit den afrikanischen Ländern für die Rückführung von Migranten ohne Recht auf Asyl zusammenarbeiten. "Die afrikanischen Länder sollen wissen, dass wir ihnen Finanzierungen für die internationale Kooperation sichern, wenn sie uns bei der Heimführung der Migranten unterstützen", sagte Alfano.

Die italienische Sprecherin des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR), Carlotta Sami, meinte, dass die Umverteilung von Migranten zur "Routine" werden müsse. "Wichtig ist, Wege zu bestimmen, mittels derer Personen auf legale Weise nach Italien gelangen können, ohne ihr Leben auf dem Mittelmeer zu riskieren und Schlepperbanden zu bereichern", so Sami.

Treffen mit Tsipras

Nach der Abreise der Flüchtlinge wollten Avramopoulos und Asselborn ein Aufnahmezentrum auf der italienischen Insel Lampedusa besuchen. Danach wollten sie nach Griechenland weiterreisen, wo sie am Samstag mit Ministerpräsident Alexis Tsipras zusammentreffen sollten.

Die EU-Staaten hatten nach langen Debatten beschlossen, Flüchtlinge aus Griechenland und Italien auf andere Länder umzuverteilen. Insgesamt geht es um die Verteilung von 160.000 Flüchtlingen innerhalb Europas.

150.000 in Schweden

Schweden rechnet indessen für dieses Jahr mit mehr als 150.000 Flüchtlingen. Nichts lasse darauf schließen, dass der Flüchtlingszustrom in unmittelbarer Zukunft zurückgehen werde, sagte Ministerpräsident Stefan Löfven am Freitag. Daher sei diese Zahl realistisch. "Was gerade passiert, ist eine der größten humanitären Operationen in der schwedischen Geschichte", fügte der Regierungschef hinzu. Die Einwanderungsbehörde des Landes war bislang von 74.000 Flüchtlingen in diesem Jahr ausgegangen. Allein in den vergangenen sieben Tagen haben der Behörde zufolge 8.900 Menschen in Schweden Asyl beantragt.

Deutschland rechnet derzeit mit 800.000 Flüchtlingen in diesem Jahr. (APA, 9.10.2015)

  • Der italienische Innenminister Angelino Alfano (links) und EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos mit Flüchtlingen aus Eritrea.
    foto: ap photo / andrew medichini

    Der italienische Innenminister Angelino Alfano (links) und EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos mit Flüchtlingen aus Eritrea.

  • Die Flüchtlinge werden nach Schweden gebracht.
    foto: ap photo / andrew medichini

    Die Flüchtlinge werden nach Schweden gebracht.

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