Prozess um mit Hammer erschlagenen Studenten

9. Oktober 2015, 10:47
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TU-Assistent soll in Wien-Ottakring Mitbewohner getötet haben – Mehrfach-Akademiker laut Gutachten infolge psychischer Erkrankung nicht zurechnungsfähig

Wien – Am kommenden Donnerstag wird im Wiener Straflandesgericht gegen einen Mehrfach-Akademiker verhandelt, der Anfang März 2015 in seiner Wohnung in Ottakring seinen Mitbewohner mit einem 800 Gramm schweren Zimmermannhammer erschlagen haben soll. Es geht allerdings nicht um Mord, da der 33-Jährige laut einem psychiatrischen Gutachten zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig war.

Der Sachverständige Karl Dantendorfer bescheinigt dem Mann, der drei Hochschulstudien erfolgreich abgeschlossen hat und der zuletzt als Assistent an der TU Wien beschäftigt war, eine hochgradige paranoide Schizophrenie. Er habe unter dem Eindruck dieser Krankheit gehandelt und das Unrecht seines Tuns nicht einsehen können, stellte der Gerichtspsychiater nach eingehender Untersuchung des 33-Jährigen und Studium dessen Krankengeschichte fest. Der Uni-Assistent wurde seit längerem medikamentös behandelt.

Schwurprozess

Da laut Gutachten somit ein Schuldausschließungsgrund vorliegt, hat die Staatsanwaltschaft bei Gericht einen Antrag auf Einweisung des Mannes in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingebracht. Den auf einen Tag anberaumten Schwurprozess wird Richterin Nina Steindl leiten.

Der 33-Jährige hatte in seiner Wohnung einen 28 Jahre alten Soziologie-Studenten als Mitbewohner aufgenommen. Dieser dürfte nicht zuletzt deshalb die WG geschätzt haben, weil seine Freundin im selben Haus wohnte. Am 4. März soll er sich von ihr verabschiedet haben, um kurz duschen zu gehen. Weshalb es dann in der einen Stock höher gelegenen Wohnung zwischen den zwei Männern – die Freundin des Jüngeren hörte Kampfhandlungen – zu einem Streit kam, ist unklar. Angeblich sollen sich die beiden nicht besonders verstanden haben. Trotz einer schriftlichen Kündigung soll der Student einfach nicht ausgezogen sein.

15 Hammerschläge

Fest steht, dass der 28-Jährige mit 15 Hammerschlägen gegen bzw. auf den Kopf zu Tode gebracht wurde. Laut Gerichtsmediziner wurden zumindest zwei Schläge mit der spitzen Seite des Hammers geführt. Obwohl die Freundin des 28-Jährigen infolge des Lärms nach oben lief und sofort die Polizei verständigte, als ihr die Tür nicht geöffnet wurde, kam jede Hilfe zu spät. Der 33-Jährige ließ sich von den Beamten widerstandslos festnehmen. (APA, 9.10.2015)

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