IWF drängt auf Entlastung Griechenlands

9. Oktober 2015, 21:25
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Dijsselbloem: Ausgaben auf 15 Prozent der Wirtschaftsleistung beschränken

Athen/Washington – Griechenland braucht nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Schuldenerleichterung. Nur durch Reformen werde das Land die Schuldenlast – sie wird laut einer aktuellen Prognose der EU-Kommission heuer 180 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) erreichen – nicht bewältigen können, erklärte der Europachef des IWF, Poul Thomsen, am Freitag.

Bewegung in diese Richtung gibt es auch bereits. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem erklärt bereits am Donnerstag, dass sich die Eurozone auf eine Reduzierung der Kosten für den Schuldendienst Griechenlands verständigt habe. Diese sollten auf 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts begrenzt werden.

Verhandelt wird später

Die Verhandlungen darüber, ob diese Schuldenerleichterungen bereits im Voraus oder im Gegenzug für umgesetzte Reformen gewährleistet würden oder als Mix aus beidem, würden erst später im Jahr starten. Bedingung dafür sei, dass Griechenland die erste Überprüfung durch die Gläubiger erfolgreich bewältige.

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte immer wieder Erleichterungen gefordert. Nach langem Streit hatte das Land seinen internationalen Geldgebern im August ein drittes Rettungspaket über bis zu 86 Milliarden Euro abgetrotzt und im Gegenzug weitreichende Reform- und Sparzugeständnisse akzeptiert.

Deflation hält an

Ökonomisch kommt Griechenland aber nur langsam aus der Krise. Im September fielen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um durchschnittlich 1,7 Prozent, teilte die Statistikbehörde Elstat am Freitag in Athen mit. Es ist bereits der 31. Monat in Folge mit fallenden Verbraucherpreisen. Die hartnäckige Deflation mit sinkenden Preisen gefährdet aber Investitionen, weil die Refinanzierung von Krediten über die Einnahmen schwieriger wird und weil die Konsumenten und Unternehmen in Erwartung weiter sinkender Preise Ausgaben für Konsum und Maschinen hin auszögern.

Geholfen wäre dem Land auch, wenn es die Korruption besser in den Griff bekäme. Laut dem Chef der Behörde zur Bekämpfung der Korruption, Leandros Rakintzis, entgehen dem Land dadurch jährlich 33 Milliarden Euro. (APA, Reuters, red, 9.10.2015)

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