Deutschland muss kalt geduscht warten

8. Oktober 2015, 22:54
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Der Weltmeister verliert in Irland 0:1 und muss im letzten Spiel gegen Georgien punkten. Nordirland und Portugal durch

Dublin – Weltmeister Deutschland muss nach einer maßlos enttäuschenden Vorstellung nachsitzen und um das Ticket für die EM 2016 bangen. Das DFB-Team verlor das vorletzte Gruppenspiel beim bisherigen Tabellendritten Irland mit 0:1 (0:0). Nach der ersten Pflichtspielniederlage überhaupt gegen Irland durch das Tor von Shane Long (70.) brauchen die Deutschen im abschließenden Spiel am Sonntag gegen Georgien in Leipzig (20.45 Uhr, RTL) noch einen Punkt, um die zwölfte Endrundenteilnahme in Folge zu sichern.

Im Parallelspiel rettete Robert Lewandowksi in der Nachspielzeit den Polen ein 2:2 in Schottland. Polen hat damit ein echtes Endspiel am Sonntag gegen die punktegleichen Iren (jeweils 18 Zähler). Lewandowski (3.) brachte Polen früh in Führung und rettete (90.+5) zumindest noch einen Punkt, nachdem Matt Ritchie (45.) und Steven Fletcher (62.) die Partie in Glasgow gedreht hatten.

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Für den verletzten Bastian Schweinsteiger stand Marco Reus in der Startformation vor 50.604 Zuschauern im ausverkauften Aviva-Stadium und war zunächst der auffälligste Deutsche. Reus ermöglichte die beste Gelegenheit der Anfangsphase, als er einen Pass von Mario Götze klug durchließ. Der Schuss des gut postierten Ilkay Gündogan wurde aber geklärt (13.).

Auf der rechten Abwehrseite vertraute Löw dem formstarken Dortmunder Matthias Ginter anstelle von Emre Can. Ginter schaltete sich mangels Beschäftigung in der Abwehr immer wieder vorne ein, konnte zunächst aber keine größeren Akzente setzen.

Die defensiv eingestellten Iren kamen kaum mit, wenn das DFB-Team mal schnell kombinierte – doch das war zu selten der Fall. Dem deutschen Spiel fehlte es wie so oft im letzten Drittel an Präzision. Reus und Co. waren mitunter zu verspielt, zu wenig zielstrebig, um die Iren ernsthaft zu gefährden. Auch die wenigen Flanken fanden selten ihr Ziel, raumöffnende Spielverlagerung im Aufbau fand kaum statt. Nach einer guten halben Stunde musste Löw auch noch Mario Götze ersetzen, der nach einem Foul von James McCarthy mit schweren Adduktorenproblemen vom Platz musste. Für ihn kam André Schürrle.

Schürrle nicht, Long schon

Der Wolfsburger hatte zehn Minuten nach der Pause auch die große Chance zur Führung. Nach einem weiten Abwurf von Manuel Neuer, flankte Reus auf Schürrle, doch der setzte seinen Volleyschuss zu hoch an. Im Tor der Iren stand zu diesem Zeitpunkt bereits Darren Randolph, der in der 43. Minute die irische Torwart-Ikone Shay Given (39 Jahre/133 Länderspiele) ersetzen musste.

Die Iren wurden nun immer mutiger, der Favorit immer behäbiger und wurde prompt bestraft: Nachdem Reus den Ball im Vorwärtsgang verlor, ließ sich die deutsche Abwehr mit einem weiten Ball aushebeln. Mats Hummels und Jonas Hector standen schlecht gegen Long, den auch Boateng nicht mehr einholen konnte, Neuer war machtlos. Nun drängte das DFB-Team mit Macht, aber ohne großes Konzept. Der allererste Schuss, der auf das Tor ging kam in der 81. Minute von Boateng, Randolph hielt aber. Drei Minuten zuvor hatte Thomas Müller die große Chance auf den Ausgleich vergeben.

Nordirland und Portugal sind dabei

In Gruppe F buchte ein Team von der Insel bereits sein EM-Ticket. Tabellenführer Nordirland feierte in Belfast gegen den Letzten Griechenland einen 3:1-Erfolg und qualifizierte sich erstmals seit der WM 1986 für ein Großturnier. Für den gesperrten Torjäger Kyle Lafferty (7 Tore) sprangen Kapitän Steven Davis mit einem Doppelpack (35., 58.) und Josh Magennis (49.) in die Bresche.

Dahinter rangiert Rumänien nach einem 1:1 gegen Finnland weiter auf Rang zwei. Die Osteuropäer kamen erst in der 91. Minute durch Ovidiu Hoban zum Ausgleich. Zuvor hatte Joel Pohjanpalo die Finnen, die keine Chance mehr haben (67.), in Front geschossen. Einen Zähler dahinter liegt Ungarn, das sich nach einem glanzlosen 2:1-Erfolg nach Rückstand über die Färöer noch Hoffnungen machen darf.

Im EM-Feld in Frankreich mit dabei ist Portugal. Die Südeuropäer, die in der laufenden Qualifikation selten glänzten, erfüllten beim 1:0 gegen den Gruppenzweiten Dänemark aber wiederum ihr Plansoll. Joao Moutinho erzielte den entscheidenden Treffer (66.). Dänemark hingegen hat in der Fünfergruppe bereits seinen letzten Auftritt absolviert und liegt daher am "Schleudersitz": Die drittplatzierten Albaner liegen trotz einer 0:2-Niederlage gegen Serbien nur einen Zähler zurück und könnten im letzten Gruppenspiel gegen Armenien den Dänen noch ihr Fixticket streitig machen. (sid, APA, 8.10.2015)

EM-Qualifikation, Donnerstag

Gruppe D:

Georgien – Gibraltar 4:0 (3:0) Tiflis.
Tore: Vatsadze (30., 45.), Okriashvili (35./Elfmeter), Kazaishvili (87.)

Irland – Deutschland 1:0 (0:0) Dublin.
Tor: Long (70.)

Schottland – Polen 2:2 (1:1) Glasgow.
Tore: Ritchie (45.), Fletcher (62.) bzw. Lewandowski (3., 94.)

Gruppe F:

Ungarn – Färöer 2:1 (0:1) Budapest. Schiedsrichter Schörgenhofer,
Tore: Böde (63., 71.) bzw. Jakobsen (11.)

Rumänien – Finnland 1:1 (0:0) Bukarest.
Tore: Hoban (91.) bzw. Pohjanpalo (67.)

Nordirland – Griechenland 3:1 (1:0) Belfast.
Tor: Davis (35., 58.), Magennis (49.) bzw. Aravidis (87.)

Gruppe I:

Albanien – Serbien 0:2 (0:0) Elbasan.
Tore: Kolarov (91.), Ljajic (94.)

Portugal – Dänemark 1:0 (0:0) Braga.
Tor: Moutinho (66.)

Für die Euro 2016 qualifiziert:

Frankreich (Gastgeber)
England
Island
Osterreich
Nordirland
Portugal

  • In Dublin ist etwas passiert.
    foto: reuters/noble

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  • In Dublin ist wirklich etwas passiert.
    foto: ap/morrison

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  • Nordirland lässt Trainer Michael O'Neill hochleben.
    foto: apa/epa/paton

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  • Zwickts mi, i man i tram.

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