Ein Blumenstrauß für die Wiener "Maggie Thatcher"

8. Oktober 2015, 21:18
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Die FPÖ will mit Ursula Stenzel und Heinz-Christian Strache in Wien auf Platz eins

Wien – Zwei junge Frauen mit toupiertem Haar und aufgeschminktem Löwengesicht begleiten am Donnerstagabend Ursula Stenzel auf die Bühne des Wiener FPÖ-Wahlkampffinales. Stenzel, die als Unabhängige auf der blauen Liste steht, macht vor hunderten FPÖ-Anhängern das Warm-up für Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache. "Wir setzen ein Zeichen für den überfälligen Machtwechsel und für unseren Kandidaten H.-C. Strache", animiert Stenzel, selbst seit zehn Jahren Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, die Fans.

Dass die Freiheitlichen in Oberösterreich die 30-Prozent-Marke geknackt haben, sei nur die "erste Raketenstufe. Die zweite ist Wien, und wir werden H.-C. Strache direkt vom Stephansplatz ins Rathaus katapultieren", sagt Stenzel. Denn es gehöre kein Mut mehr dazu, die FPÖ zu wählen, und man müsse sich dafür nicht schämen.

"Stumpfe Faschismuskeule"

Die Sozialdemokraten würden seit der Amtszeit von Bundeskanzler Franz Vranitzky "die Faschismuskeule" aus dem Sack holen, doch diese sei nun stumpf geworden, sagt Stenzel. Vranitzky hatte in seiner Rede im Nationalrat 1991 die bis dahin auch offiziell hochgehaltene "Opferthese", wonach Österreich das erste Opfer der Machtentfaltung des Deutschen Reichs unter Adolf Hitler gewesen sei, relativiert und die Mitschuld der Österreicher am Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen anerkannt.

"Es ist nicht rassistisch, FPÖ zu wählen", bekräftigt Stenzel. Dafür bekommt "die Maggie Thatcher von Wien" von Strache auch einen Strauß Blumen überreicht. Strache widmet einen Großteil seiner Rede dem "Schmähtandler Michael Häupl" von der SPÖ und Grünen-Chefin Maria Vassilakou. Sie hätten die Probleme, die die "neue Völkerwanderung" mit sich bringe, einfach weggewischt. Die Integration sei gescheitert, was das "Versagen" der Stadtregierung und die "Pensionsreife" des roten und der grünen Kandidatin zeige.

Das sei aber nur möglich, wenn die Freiheitlichen am Sonntag auf den ersten Platz kommen. "Es ist möglich. Gemeinsam können wir das blaue Wunder schaffen", sagt Strache. Während blaues Konfetti in die Menschenmenge geschossen wird und die John-Otti-Band "Immer wieder Österreich – Bleib mei Heimat, du mei Wien" zum Besten gibt.

Patriotische Anhänger

Dafür bekommt Strache stürmischen Applaus und Liebesbekundungen aus dem Publikum. Die Anhängerschaft schwenkt Fahnen und H.-C.-Schals, macht Fotos und sammelt Konfettischnipsel als Andenken. Manche Strache-Fans posieren auch mit dem "Deutschen Gruß", wie auf Twitter veröffentlichte Fotos belegen.

"Ich wähle schon immer die FPÖ", sagt ein junger Mann mit H.-C.-Käppchen. "Ich will, dass sich was verändert – bei den Flüchtlingen zum Beispiel." Allerdings sei das schwer, denn "alle sind gegen den H.-C.". Man solle nicht die Grenzen öffnen und die Asylverfahren beschleunigen, sagt der Mann und schwenkt sein Bier: "Zuerst das österreichische Volk. Dann erst die anderen."

Kritik von Neos

Dass die FPÖ die Abschlussfeier am Stephansplatz abhielt, ärgerte die Neos. City-Chefin Stenzel erlaubte dort eigentlich immer nur kirchliche Veranstaltungen. (Oona Kroisleitner, 8.10.2015)

  • Heinz-Christian Strache will die FPÖ auf den ersten Platz bei der Wien-Wahl katapultieren.
    foto: reuters / heinz-peter bader

    Heinz-Christian Strache will die FPÖ auf den ersten Platz bei der Wien-Wahl katapultieren.

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