Wie man den Nobelpreis nicht bekommt

8. Oktober 2015, 18:04
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Medizinhistoriker untersuchte die Vergaben des Medizinnobelpreises und fand eine ganze Reihe von ausschlaggebenden Faktoren

Köln – Die Nobelpreise 2015 in den wissenschaftlichen Kategorien sind vergeben und der erste Trubel beginnt sich zu legen. Währenddessen kümmert sich ein Kölner Medizinhistoriker um diejenigen, um die diese Art von Trubel erst gar nicht angefangen hat: nämlich die, die beim Preis leer ausgegangen sind. Nils Hansson nennt sie die "qualifizierten Verlierer", wie die Universität zu Köln berichtet.

Laut testamentarischer Verfügung Alfred Nobels sollen den Preis diejenigen bekommen, die der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben. Diese Vorgabe schafft allerdings einen großen Interpretationsspielraum für das Nobelkomitee: Zu diesem Ergebnis kam Hansson, nachdem er im schwedischen Karolinska-Institut zur Verleihung des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin geforscht hat.

Von der Herzchirurgie bis zum Fitness-Futurismus

Hansson wies nach, dass es in der Vergangenheit weniger Medaillen als preiswürdige Nominierte gab. Als sich zum Beispiel zwischen den 1940er und 1960er Jahren die Herzchirurgie entwickelte, sah das Nobelpreiskomitee keine Möglichkeit, die Fortschritte an einzelnen Personen festzumachen. Folglich wurde niemand aus diesem Bereich mit dem Preis geehrt.

Das ist laut Hansson aber nicht der einzige Grund dafür, dass renommierte Forscher den Preis letztendlich nie erhielten. Manchmal wurden die Preisverdächtigen einfach zu schlecht "verkauft". Denn die Nominierungsberechtigten könne man mit Verkäufern vergleichen, die ihren Vorschlag mal mehr und mal weniger überzeugend vermitteln.

In anderen Fällen waren Mediziner ihrer Zeit offenbar einfach zu weit voraus, um den wichtigsten Preis ihrer Disziplin zu bekommen. Als Beispiel nennt Hansson den schwedischen Arzt Gustav Zander, der als Vater des modernen Fitnessstudios gilt. Er hatte die "medico-mechanische Therapie" bereits in den 1860er Jahren entwickelt – bis zum Durchbruch seiner Idee sollte es aber noch gut 100 Jahre dauern.

Dennoch würdige Preisträger

Die Tatsache, dass viele großartige Wissenschafter nie einen Nobelpreis erhalten haben, erlaubt laut Hansson jedoch nicht unbedingt den Umkehrschluss, dass ihn andere zu Unrecht bekommen hätten: "Da der Nobelpreis seit mehr als hundert Jahren von Wissenschaftern und Laien als der weltweit ehrwürdigste wissenschaftliche Preis angesehen wird, hat das Nobelkomitee wohl in den meisten Fällen gute Entscheidungen getroffen." (red, 8. 10. 2015)

  • Einer der berühmtesten Nobelpreisverlierer der jüngeren Vergangenheit: US-Forscher Robert Gallo, der eine Rolle bei der Entdeckung des HI-Virus spielte – aber für das Preiskomitee keine ausreichende, um ihn 2008 zusammen mit den französischen Virologen Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi mit dem Medizinnobelpreis zu bedenken.
    foto: reuters/yuri gripas

    Einer der berühmtesten Nobelpreisverlierer der jüngeren Vergangenheit: US-Forscher Robert Gallo, der eine Rolle bei der Entdeckung des HI-Virus spielte – aber für das Preiskomitee keine ausreichende, um ihn 2008 zusammen mit den französischen Virologen Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi mit dem Medizinnobelpreis zu bedenken.

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