iPhone-6S-Chipgate: Aufregung um ungleiche CPUs und Akkulaufzeit

8. Oktober 2015, 17:42
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Sowohl Samsung als auch TSMC durften diesmal Chips liefern – mit unterschiedlicher Performance

Lange hat es gedauert, aber nun hat auch das iPhone 6S sein eigenes "gate". War es beim iPhone 6 die Gefahr des Verbiegens ("Bendgate") folgt bei dessen Nachfolger nun das "Chipgate". Wie sich herausstellt wird das iPhone 6S nämlich mit zwei verschiedenen Varianten des A9-Prozessors ausgeliefert – und dies hat durchaus reale Konsequenzen.

SoC

Grund dafür ist, dass Apple zu zwei unterschiedlichen Hardwarepartnern greift. Neben Samsung, das in der Vergangenheit meist die Apple-CPUs gebaut hat, kommt dieses Mal auch TSMC zum Einsatz. Und diese haben zwei Chips gebaut, die sich nicht nur durch ihre Herkunft aus unterschiedlichen Fabriken unterscheiden. Wie sich herausstellt, ist der TSMC-SoC nämlich in mehrerlei Hinsicht seinem Samsung-Pendant überlegen. So ist der TSMC-Chip in Benchmarks nicht nur einen Tick schneller, er wird bei Belastung auch nicht so warm und verbraucht vor allem weniger Strom.

Testlauf

Youtuber Jonathan Morrison hat den Unterschied in der Praxis ausprobiert: Er hat mit beiden Modellen 10 Minuten lang ein 4K-Video aufgenommen, dieses in iMovie exportiert, und einige Benchmarks laufen lassen. Danach hat er das ganze noch einmal wiederholt, das Ergebnis: Das iPhone 6S mit TSMC-Chip hatte nach dieser Prozedur noch 24 Prozent Akku, das Modell mit Samsung-CPU nur mehr 10 Prozent – ein überraschend starker Unterschied.

jonathan morrison

Dauerbelastung

Dass es sich dabei nicht nur um einen einmaligen Ausreißer handelt, demonstriert ein anderer Tech-Youtuber namens Austin Evans: Dieser hat einfach den Benchmark Geekbench 3 auf beiden Geräten laufen lassen, bis der Akku leer war. Das Ergebnis: Das Modell mit TSMC-Chip hat stolze 50 Minuten länger durchgehalten. Allerdings sei betont, dass sich dieser Unterschied offenbar nur bei starker Belastung in diesem Ausmaß zeigt. Beim Abspielen eines einstündigen Videos verbrauchte das TSMC-Gerät 14 Prozent, jenes mit Samsung-Prozessor 15 Prozent.

austin evans

Überraschung

Dass der TSMC-Prozessor derart deutlich besser abschneidet ist auch aus einem anderen Grund überraschend. Von der Papierform her sollte eigentlich der Samsung-Chip bessere Werte liefern. Immerhin ist er in 14nm gefertigt, jener von TSMC in 16nm, und kleiner heißt in diesem Fall üblicherweise auch sparsamer.

Testlauf

Wer schon ein iPhone 6S (Plus) besitzt, kann über die kostenloses App Lirum Device Info Lite herausfinden, welcher Fertiger beim eigenen Chip zum Einsatz kam.

Update, 9.10.2015

Mittlerweile hat sich Apple mit einer Stellungnahme zu den Berichten geäußert. Darin zweifelt man zwar nicht grundlegend die Richtigkeit der Tests an, betont aber, dass es sich dabei um unrealistische Szenarien handle. Die eigenen Tests und Daten von den Kunden würden zeigen, dass die Akkulaufzeit bei allen iPhone 6S und iPhone 6S im Alltag maximal um 2 bis 3 Prozent variiere. Und hierbei seien auch schon die üblichen Fluktuationen beim Stromverbrauch anderer Bauteile eingerechnet. (red, 8.10.2015)

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