Die Expo der guten Stimmung

9. Oktober 2015, 09:00
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Reges Investoren-Interesse prägte die Expo Real 2015 in München. Wie lange es noch so weitergehen kann, war Gegenstand von Diskussionen

Am Tag nach dem traditionellen Münchner Oktoberfest beginnt mit der Expo Real so etwas wie das dreitägige Oktoberfest der Immobilienbranche. Beide Festivitäten bringen überfüllte Öffis, ausgebuchte Hotels und Menschen mit laut ratternden Schiebekoffern in die Isar-Metropole. Der Unterschied: Expo-Besucher tragen Anzug, nicht Lederhose.

"Fast schon zu gut"

Unter ihnen sind traditionell viele Österreicher. Als "gut, fast schon zu gut" fassten viele der 72 heimischen Aussteller die Expo Real zusammen, die am Mittwoch zu Ende ging. Wie immer, wenn die Investoren Schlange stehen, wurde auch heuer im kleinen Kreis diskutiert, ob es denn ewig so weitergehen wird – oder ob sich nicht wieder eine Blase aufbaut.

"So eine Zeit wie jetzt gab es noch nie", freute sich Karl Bier, CEO des österreichischen Immobilienentwicklers UBM. Die Zinsen seien auf einem historischen Tiefstand, das Interesse an Immobilien groß – selbst wenn diese noch nicht gebaut sind. Manchem Investor reiche schon eine Baugenehmigung. "Investoren wollen sich derzeit möglichst früh Objekte sichern." Zumindest für ein Jahr werde es wohl noch so weitergehen, meinte Bier (und nicht nur er).

"Kontaktbörse"

Die Expo nennt er "eine Kontaktbörse, die ihresgleichen sucht." Warimpex-CEO Franz Jurkowitsch sieht das genauso: "Drei intensive Tage auf der Expo Real ersparen uns viele Einzeltermine und Einzelreisen."

"Wer in Österreich präsent ist, muss auf die Expo", bestätigte auch Herbert Logar, Chef der ÖBB-Immobilien. Der österreichische Markt werde für größere Projekte recht eng, internationale Messen seien eine gute Gelegenheit, Projekte zu präsentieren. Im Fall der ÖBB waren das heuer beispielsweise das "Blaue Haus" hinter der BahnhofCityWest oder das Projekt Elisabethstraße 9 im ersten Bezirk.

Interessenten aus Asien

Zufrieden zeigte man sich auch bei EHL Immobilien. Michael Ehlmaier, geschäftsführender Gesellschafter, sprach von "guter Stimmung". Statt Small Talk habe es diesmal oft gleich sehr konkrete Gespräche mit Investoren gegeben – darunter seien diesmal nicht nur "die üblichen Verdächtigen" gewesen, etwa deutsche Fonds, sondern auch Investoren aus Asien und Australien.

Über "fantastisches" Feedback freute sich auch Messechef Klaus Dittrich. Die Messe sei der richtige Ort, um brennende Themen wie Digitalisierung, Demografie und bezahlbares Wohnen zu diskutieren.

Freilich passiert das auf so einer Messe stets aus Sicht der Investoren. Das Urban Land Institute (ULI) präsentierte etwa eine Studie über unterschiedliche Ansätze für Verdichtungsprojekte in sechs europäischen Metropolen, die sich in verschiedenen Entwicklungszyklen befinden. Hintergrund der Studie war der, die "Städte mit Investitionspotenzial" zu erkennen.

Auch Studentenheime bei Investoren beliebt

Und so war auf der Gewerbeimmobilienmesse auch Wohnen ein großes Thema. Immer öfter wird über Studentenheime gesprochen, sagt Hubert Vögel, Geschäftsführer der Raiffeisen Immobilien Kapitalanlage-Gesellschaft.

Der Konsens bei einer Diskussionsrunde: In vielen Städten gibt es noch wenige Angebote, die Auslastung ist hoch. Zudem benötige ein Studentenheim "weniger Know-how" als ein Hotel, so Vögel. Die wichtigsten Märkte für den Immobilien Investment Manager Corestate Capital: Deutschland, Spanien und Österreich, mit "zwei Studentenstädten neben Wien".

Russen suchten Investoren und deutsche Mieter

Neben einigen russischen Kommunen und Regionen waren auf der Expo Real auch die Unternehmen Ikea Russia und das Logistikunternehmen Ulmart vertreten. Während Letztere Investoren für ihre Verteilzentren suchten, war Ikea Russia auf der Suche nach deutschen Retailern als Mieter für ein neues Großprojekt: Im Norden Moskaus wird bis 2019 das größte Shoppingcenter des Landes mit 230.000 m² vermietbarer Fläche entstehen.

Die Stimmung beim Messestand fasste CEO Armin Michaely mit "krisengerecht" zusammen. Er sei aber trotzdem "zufrieden" mit dem ersten Auftritt auf der Expo Real. "Auf Dauer kann man schwerlich das größte Land Europas ignorieren, wenn man international agieren will."

Nächster Termin steht schon fest

So wie sie begonnen hatte, so endete die Messe mit ratternden Trolleys sowie vollen S-Bahnen und Flughafenbussen am Mittwoch Nachmittag. Insgesamt waren 37.800 Teilnehmer aus 73 Ländern auf der Expo Real 2015 mit dabei – 900 mehr als 2014. Der Termin für das nächste Branchentreffen steht bereits fest, die ersten Hotelzimmer werden schon reserviert sein: Die Expo Real 2016 steigt von 4. bis 6. Oktober. (Martin Putschögl, Franziska Zoidl, 9.10.2015)

  • Nicht nur in sechs Hallen der Messe München wurde genetworkt, auch in den schon recht herbstlichen Außenbereichen traf man sich für Smalltalk.
    foto: expo real / messe münchen

    Nicht nur in sechs Hallen der Messe München wurde genetworkt, auch in den schon recht herbstlichen Außenbereichen traf man sich für Smalltalk.

  • Insgesamt 37.800 Teilnehmer waren heuer auf der Expo Real.
    foto: expo real / messe münchen

    Insgesamt 37.800 Teilnehmer waren heuer auf der Expo Real.

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