HCB: Global 2000 kritisiert veraltete EU-Grenzwerte

8. Oktober 2015, 12:33
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Gesundheitlicher Richtwert laut NGO auch in Rindfleisch aus Görtschitztal überschritten

Wien/Klagenfurt – Nachdem die Lebensmittelversuchsanstalt Klosterneuburg auch im Fleisch eines Rindes aus dem Görtschitztal eine Überschreitung des von der MedUni Wien vorgegebenen Maximalwertes von HCB ergeben hat, kritisiert Global 2000 das Festhalten der Kärntner Behörden an veralteten EU-Grenzwerten. Man hätte HCB ehemals als sicher angesehen, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Bei der Untersuchung in der vergangenen Woche betrug die HCB-Belastung – so Global 2000 – bei magerem Rindfleisch sieben Mikrogramm pro Kilogramm. "Der von der MedUni Wien vorgegebene Maximalwert für HCB in Fleisch ist damit im mageren Schnitzelfleisch um das 3,5-Fache überschritten", erklärte Helmut Burtscher, Umweltchemiker der Umweltschutzorganisation.

"Das Land Kärnten bezieht sich immer noch auf geltende EU-Werte aus den 1970er-Jahren. Nach dem Verbot in der Europäischen Gemeinschaft im Jahr 1981 und dem weltweiten Verbot der Substanz im Jahr 2004 hat es aber niemand mehr für nötig befunden, die Richtwerte neu zu bewerten", sagte Burtscher. Versuche an Tiere zeigten aber, dass schon niedrige Dosen zu Nierenschäden und Eierstockdeformierungen führten. Zudem sei bei der EU-weiten Vereinheitlichung der Lebensmittelgrenzwerte ein Übertragungsfehler passiert. "Hier wurde die entscheidende Fußnote, die festlegt, dass der Grenzwert auf den Fettgehalt umzurechnen ist, verloren", sagte Burtscher.

Neuberechnungen der MedUni Wien

Im Auftrag des Landes Kärnten habe die MedUni Wien daher neu berechnet, wie viel HCB sich tatsächlich in Milch, Fleisch, Eiern und anderen Lebensmitteln finden dürfe, damit die an einem Tag über die Nahrung aufgenommene Menge an HCB zumindest um ein Prozent niedriger sei als jene Menge, die vom Körper ausgeschieden wird. Laut Burtscher liegen diese HCB-Maximalwerte für Gemüse bei rund der Hälfte, für Milch zehnfach und für Fleisch sogar hundertfach unter dem jeweiligen Grenzwert der EU.

"Wir sind drauf gekommen, dass unsere Region in Österreich die höchste Krebsneuerkrankungsrate hat. Meine Kinder und ich haben das HCB im Blut. Ich frage mich, was die Zukunft bringt. Aber stellen Sie sich vor, jemand sagt Ihnen, dass Sie ihr eigenes Fleisch nicht essen, aber es an Kunden verkaufen dürfen", berichtete die betroffene Biobäuerin Isa Priebernig. Bereits Anfang des Jahres wurden von der MedUni Wien Blutuntersuchungen an 135 Görtschitztalern durchgeführt. "Die Ergebnisse zeigten, dass Kinder, aber auch Frauen und Männer in allen Altersgruppen, eine erhöhte HCB-Belastung aufwiesen", sagte Burtscher. 63 Personen überschritten einen oder mehrere gesundheitliche Richtwerte. "Auf Basis dieser Werte betont die MedUni Wien, dass es für diese Personen keine zusätzliche Belastung geben darf", sagte er. Bei langfristiger Überschreitung der Richtwerte könnten laut dem Bericht gesundheitliche Folgen nicht ausgeschlossen werden.

Rechtsanwalt kritisiert Kärntner Behörden

Obwohl offiziell – für die Görtschitztaler – eine Warnung vor dem Konsum der im Görtschitztal produzierten Lebensmittel gelte, wäre diese Information laut Burtscher nicht ausreichend öffentlich gemacht worden und auf der Homepage des Landes Kärnten nicht zu finden. "Stattdessen heißt es dort ganz prominent 'Experten geben Entwarnung'." Heftige Kritik an den Kärntner Behörden übte auch Rechtsanwalt Josef Unterweger. "Gesetzlich hätten sie unverzüglich handeln und Schritte setzen müssen, um eine weitere Gefährdung der Bürger zu vermeiden. Es geht nicht, dass man sagt, die Görtschitztaler sollen ihr kontaminiertes Fleisch jemand anderem verkaufen." Weil seitens der Behörden laut Unterweger aber keine derartige Vorgehensweise erkennbar sei, bringt Global 2000 nun eine Umweltbeschwerde ein. "Sie soll dazu dienen, dass die Behörden gemäß dem Bundes-Umwelthaftungsgesetz vorgeht und die Verursacher feststellt. Dann können auch die Geschädigten ihre Ansprüche gegen die Verursacher geltend machen", erklärte Unterweger. (APA, 8.10.2015)

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