Spielentwickler kritisiert Hololens: Microsoft täuscht Kunden absichtlich

8. Oktober 2015, 11:00
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James Green: "Es schreit nach Verzweiflung und danach, nicht vom VR-/AR-Bereich ausgeschlossen werden zu wollen"

Nach der eindrucksvollen Vorstellung des jüngsten Prototyps des Augmented-Reality-(AR-)Systems Hololens haben sich wenig später einige Entwickler kritisch zu Microsofts Präsentation und dessen Entwicklerprogramm geäußert.

"Ich denke, es ist peinlich, dass Microsoft so einen unehrlichen Zugang zur Vorstellung von Hololens gewählt hat. Sie täuschen Konsumenten mit dem vermeintlichen Blickfeld, das sich nicht verbessern lassen wird", sagt James Green, Mitbegründer von Carbon Games, gegenüber der Seite "VR Focus". Das Studio arbeitet derzeit an einem Virtual-Reality-Game namens "Airmech" für Oculus Rift.

Falsche Erwartungen geschürt

Green spricht damit einen bereits zuvor vielfach diskutierten Kritikpunkt an der Hololens-Technologie an, der in Microsofts Präsentationen nicht thematisiert wird: Während Microsoft bei seinen Präsentationen ein Aufnahmesystem nutzt, dass dem Zuseher eine Blickfeld-umspannende Darstellung der AR-Inhalte suggeriert, sieht der Hololens-Träger tatsächlich nur einen kleinen Ausschnitt dessen im Zentrum seines Blickfeldes. Anstatt also etwa eine Roboterinvasion rund um ihn herum in seinem gesamten Wohnzimmer zu erleben, sieht der Anwender die Animationen tatsächlich nur in einem vergleichsweise kleinen Fenster vor seinen Augen.

"Sie versprechen der Welt sehr viel, da sie sich bei all der Aufregung um Virtual Reality ausgeschlossen fühlen, aber ihr Produkt hat keine Chance, jemals die Immersion von VR zu ermöglichen", so Green.

foto: ap photo/elaine thompson
foto: the verge
Das tatsächliche Sichtfeld, in dem man die AR-Inhalte mit Hololens sieht, ist bedeutend kleiner, als das menschliche Blickfeld.

"Schreit nach Verzweiflung"

Dabei ginge es dem Entwickler nicht darum die Technologie generell schlecht zu reden. Tatsächlich wäre er selbst sehr interessiert daran, sein Spiel für Hololens umzusetzen. "Ich denke sogar, dass 'Airmech' großartig mit Hololens funktionieren würde und ich würde es sehr gerne unterstützen. Aber ich bezweifle, dass ich durch meinen Vorwurf, dass sie unehrlich sind, ein kostenloses Dev-Kit bekommen werde", sagt Green. "Wenn es in den Händen der Konsumenten ist, kann es jeder selbst beurteilen und ich denke, es wird viele unerwartete Einsatzfelder geben. Es fühlt sich aber viel zu früh an, (es so zu bewerben), und es schreit nach Verzweiflung und danach, nicht vom VR-/AR-Bereich ausgeschlossen werden zu wollen."

Teuer

Wenngleich Green zu jenen Entwicklern gehört, die Microsoft aktuell am stärksten für die Hololens-Präsentation kritisieren, sind sich viele Hersteller einig, dass der Dev-Kit-Preise von 3.000 Dollar ebenfalls ein großes Problem bei der Verbreitung des Systems darstellen könnte. Speziell kleinere, innovativere Studios könnten so ausgeschlossen werden. "Obwohl ein hoher Preis für ein Dev-Kit einer Konsole wie der PS4 ziemlich üblich ist, werden diese Kosten für gewöhnlich entweder erlassen oder die Kits werden an Entwickler ausgeliehen", erklärt Blair Renaud von Iris VR. "Damit nehme ich allerdings vorweg, dass Microsoft an Inhalten von Indie-Herstellern interessiert ist. Wenn sie es nicht sind, wird der hohe Preis sicherstellen, dass Indies nicht für sie entwickeln werden. Google Glass ist das perfekte Beispiel für den Fehlschlag eines zu teuren Entwickler-Kits."

foto: ap photo/richard drew
Ein spezielles Kamerasystem Microsofts suggeriert, dass die AR-Inhalte im gesamten Blickfeld des Hololens-Anwenders sichtbar sind.

Wie man möglichst viele Entwickler für sich gewinnen kann, zeigte in den vergangenen Jahren speziell Oculus VR, dessen Entwicklerversion der VR-Brille Oculus Rift für wenige hundert Dollar zu haben ist. Laut der Facebook-Tochter konnten so bereits zehntausende professionelle Hersteller und Hobby-Entwickler erreicht werden. (zw, 8.10.2015)

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