Parteitag der britischen Tories: Unangefochten in der Mitte

Kommentar7. Oktober 2015, 18:08
17 Postings

Der Kontrast zum New Socialism à la Corbyn könnte klarer nicht sein

Vor zehn Jahren eroberte der jugendlich wirkende David Cameron mit offenem Hemdkragen den Vorsitz seiner Tories. In der frei gehaltenen Parteitagsrede war damals viel von Modernisierung in der Opposition die Rede, von vermeintlich weichen Themen wie Entwicklungshilfe und Klimaschutz – und von Optimismus.

Diesmal sprach ein Premier im dunklen Anzug und mit blauer Krawatte zu seiner Partei. Der mittlerweile 49-Jährige hat die Wahl im Mai gewonnen, die Rechtspopulisten von Ukip kleingehalten und Labour so zur Verzweiflung getrieben, dass die größte Oppositionspartei sich unter Jeremy Corbyn weit nach links bewegte. Das brachte ihm Ovationen der Parteifreunde ein. Aber die Rede des Konservativen wandte sich an die ganze Nation. Cameron versprach sowohl Stabilität als auch ehrgeizige Reformen.

Für den Rest seiner Amtszeit – spätestens 2019 dürfte der Premier die Downing Street verlassen – besetzen der Premier und sein Vertrauter, Finanzminister George Osborne, zielstrebig das von Labour verlassene Territorium und knüpfen ausdrücklich an die Rhetorik des dreifachen Labour-Wahlsiegers Tony Blair an. Wie einst dieser betont Cameron Patriotismus, das Festhalten an Atomwaffen, die Skepsis gegenüber einer weiteren EU-Integration. Und wie der New-Labour-Mann will der Konservative "Chancengleichheit" verwirklichen, nicht aber Gleichmacherei. Der Kontrast zum New Socialism à la Corbyn könnte klarer nicht sein. (Sebastian Borger, 7.10.2015)

Share if you care.