Als Arnautovic eine Antwort bekam

7. Oktober 2015, 17:36
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Marko Arnautovic und David Alaba gehen relativ stressfrei in die Spiele gegen Montenegro und Liechtenstein. Davor dankten sie Marcel Koller, der eine besondere Mannschaft geformt hat

Wien – Marko Arnautovic ist fraglos glücklich. Es war vor ein paar Monaten, Arnautovic gehörte seit mehreren Partien nicht der Startformation von Stoke City an, als er ein Gespräch mit Trainer Mark Hughes suchte und auch fand. Der 26-Jährige, für den der Beruf Diplomat nie eine Alternative zum Profifußballer war, baute sich vor Hughes auf und stellte die Frage aller Fragen: "Bin ich oarsch?" Das wurde verneint, am Samstag erzielte Arnautovic das Tor zum 1:0 gegen Aston Villa. "Ich habe längst keine Fragen mehr, es läuft."

Mittwochmittag saß Arnautovic im Pressezentrum des Happel-Stadions, auch David Alaba und Sebastian Prödl stellten sich den Fragen. Fernsehen, Radio, Zeitungen, alles in Kürze und der Reihe nach, um einen Rückstau zu vermeiden. Im Nationalteam musste Arnautovic seinem Boss, also Marcel Koller, nie eine derart konkrete Frage stellen, der Teamchef hat stets auf ihn gesetzt. "Dafür bin ich dankbar. Nur macht es keinen Sinn, Danke zu sagen und dann 27 Fehlpässe zu spielen. Ich gebe immer Vollgas, zerreiße mich, damit ich das Vertrauen auf dem Platz zurückgebe. Den Druck mache ich mir selbst."

"Windiges Debüt"

In aller Bescheidenheit zähle er zu jener Spezies, die den Unterschied ausmachen könne. "Obwohl im Nationalteam viele, fast alle den Unterschied ausmachen können. Wir sind eine Mannschaft." Arnautovic hat 2008 für Österreich debütiert, er wurde beim fürchterlichen 1:1 auf den Färöern eingewechselt. Von Karel Brückner. "Es war ziemlich windig." Sieben Jahre später, Arnautovic hält bei 45 Einsätzen, ist das ÖFB-Team als Gruppensieger für die EM in Frankreich qualifiziert und Elfter in der Weltrangliste. "Das hätte ich mir damals nicht gedacht. Wir haben hart an uns gearbeitet, damit wir solche Erfolge feiern können. Wir bekommen Respekt von den Gegnern."

Die Qualifikation wird nun vollendet, am Freitag geht es in Podgorica gegen Montenegro, am Montag steigt in Wien die Abschlussparty gegen Liechtenstein. "Natürlich war der Stress schon größer. Aber wir haben noch etwas vor, wollen die zwei Spiele gewinnen, damit wir in der EM-Auslosung in Topf zwei sind. Auch Liechtenstein ist kein Katzensprung." In Podgorica könnte es ein Wiedersehen mit Dejan Savicevic geben, der ist Montenegros Verbandspräsident. Als Savicevic einst seine Karriere bei Rapid ausklingen ließ, war Arnautovic vor einem Derby einer jener Buben, die die Spieler händchenhaltend aufs Feld führen durften. Er gierte nach Savicevic. "Ein anderes Kind hat mich weggeschubst." Arnautovic hat dem Unbekannten verziehen, er würde ihn auch nichts mehr fragen.

Ein leiser Wunsch

Alaba hat bei Bayern München ganz leise den Wunsch geäußert, ab und zu im Mittelfeld spielen zu dürfen. Auf eine Antwort von Trainer Pep Guardiola wartet er wahrscheinlich noch übermorgen. Der Spanier setzt den 23-Jährigen relativ häufig als Innenverteidiger ein, Alaba hat sämtliche zwölf Bewerbsspiele der Bayern von Anpfiff bis zum Abpfiff bestritten. Die Münchner sind nicht zu stoppen, haben Wolfsburg und Dortmund jeweils mit 5:1 gedemütigt. Ob das Nationalteam zu stoppen ist? "Da müssen wir schon die Kirche im Dorf lassen." Auch Alaba dankt Koller. "Er hat uns zusammengeschweißt und zu einer besonderen Mannschaft gemacht. Außerdem sieht er mich als Mittelfeldspieler."

Prödl hält es bei der gerechtfertigten Euphorie für wesentlich, "sich mit Montenegro zu beschäftigen". Arnautovic sagt: "Fragen zur EM beantworte ich später. Man sieht sich ja noch öfter." (Christian Hackl, 7.10.2015)

  • Marko Arnautovic (links) von Stoke City und David Alaba von Bayern München sind Säulen des Teams, sie können den Unterschied ausmachen. Arnautovic hat es bisher auf acht Tore gebracht, Alaba auf zehn. Die erfolgreiche Quali wird nun abgeschlossen. Alaba: "Es wäre gelogen, wenn wir sagen, der Druck ist sehr hoch. Aber das sind zwei wichtige Spiele, die wir unbedingt gewinnen wollen.
    foto: apa/neubauer

    Marko Arnautovic (links) von Stoke City und David Alaba von Bayern München sind Säulen des Teams, sie können den Unterschied ausmachen. Arnautovic hat es bisher auf acht Tore gebracht, Alaba auf zehn. Die erfolgreiche Quali wird nun abgeschlossen. Alaba: "Es wäre gelogen, wenn wir sagen, der Druck ist sehr hoch. Aber das sind zwei wichtige Spiele, die wir unbedingt gewinnen wollen.

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