Sechs Dinge, die die Weltwirtschaft bewegen

8. Oktober 2015, 05:30
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Der Internationale Währungsfonds warnt vor Schulden, instabilen Finanzmärkten und dem Problemkind China

Die Weltwirtschaft schwächelt, Chinas Börsen rasselten im Sommer in den Keller und in vielen Ländern stapeln sich die Schulden. Bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank am Wochenende gibt es für die Elite aus Politik und Wirtschaft viel zu bereden. Und nach fast 50 Jahren findet das Treffen der von den USA dominierten Institutionen wieder einmal in Lateinamerika statt. Die Ortswahl ist angebracht, denn die Schwellenländer sind es auch, die die aktuelle Debatte um die Lage der Weltwirtschaft dominieren. Die wichtigsten Themen in der Übersicht.

  • 1. Kaum Wachstum: Die Weltwirtschaft wächst heuer so schwach wie seit dem Beginn der Finanzkrise nicht mehr. Der IWF hat gerade seine Prognose auf 3,1 Prozent gesenkt, ein ungewöhnlich niedriger Wert. Das liegt vor allem an den Schwellenländern, aber auch die Eurozone oder Japan kommen nicht in Schwung. Der IWF warnt in seinem neuen Finanzstabilitätsbericht: Weil wenig investiert wird, die Bevölkerung altert und die Produktivität kaum zunimmt, müssen sich Industrieländer womöglich über kurz oder lang an die sehr niedrigen Wachstumsraten gewöhnen.

  • 2. Langsamerer Aufstieg: Brasilien und Russland stecken in einer tiefen Rezession. Chinas Wachstum verlangsamt sich, heuer soll das Land um weniger als sieben Prozent wachsen. Die Rohstoffpreise, wie etwa jene für Öl oder Kupfer, sind auch deshalb stark gefallen. Das zieht wiederum andere Länder mit in den Strudel, Nigeria und Südafrika drücken auf das Wachstum von Subsahara-Afrika. Die Region soll heuer nur um 3,8 Prozent zulegen, das ist deutlich weniger als in den Vorjahren.

  • 3. Problemkind China: Je nach Berechnungsart ist China die größte bzw. zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Deshalb stellt das Land für den IWF auch eines der größten Risiken für die Finanzstabilität dar. Das Land stehe vor einer äußerst schwierigen Balanceaufgabe, schreibt der IWF im Finanzstabilitätsbericht. Als die Börsen kollabierten, kauften die Behörden dort wie wild Papiere auf. Auch die Währung wurde abgewertet. Das habe das Vertrauen der Märkte geschwächt. Bislang wird die Wirtschaft außerdem von Investitionen getrieben, sie müsse sich mehr auf den Konsum richten, so der IWF. Dadurch verlangsame sich das Wachstum.

  • 4. Explosion der Schulden: Unternehmen in Schwellenländern haben sich zuletzt stark verschuldet. Umgerechnet in US-Dollar hat sich der Schuldenberg in den vergangenen zehn Jahren mehr als vervierfacht, von vier auf 18 Billionen Dollar. Mehr als die Hälfte davon fällt auf China. Vor allem wenn die Gelder in ausländischen Währungen aufgenommen wurden, ist das Ganze problematisch, so der IWF. Unternehmen in Schwellenländern halten etwa Anleihen in ausländischer Währung in der Höhe von einer Billion US-Dollar. Je mehr der Dollar an Wert gewinnt, desto teurer dann die Rückzahlung der Anleihe.

  • 5. Nächste Krise: Die Weltwirtschaft ist nach Ansicht des IWF anfällig für Schocks. So könnte sich etwa herausstellen, dass die Probleme Chinas für andere Volkswirtschaften doch ansteckender sind als bisher gedacht. Dann dürfte sich schnell herausstellen, wie stabil die Finanzmärkte sieben Jahre nach der Lehman-Pleite sind.

  • 6. Zurück zur Normalität: Im Gegensatz zu den Schwellenländern stehen die USA und die Eurozone in den Augen des IWF stabiler da. In den USA sollte eine baldige Erhöhung der Leitzinsen eine Rückkehr zur Normalität in der Geldpolitik einläuten. In der Eurozone sieht der IWF starke Anzeichen dafür, dass die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank funktionieren. Die Unternehmen hätten mehr Geld zur Verfügung und die Aktienkurse seien gestiegen. Marktteilnehmer würden in Europa aber noch einige Jahre mit der Unterstützung der EZB rechnen. (Andreas Sator, 8.10.2015)
  • Nach Jahrzehnten des rasanten Wachstums steht China vor einem schwierigen Balanceakt. Statt Bauprojekten und Maschinenkäufen soll der Konsum die Wirtschaft antreiben.
    foto: reuters/darley shehn

    Nach Jahrzehnten des rasanten Wachstums steht China vor einem schwierigen Balanceakt. Statt Bauprojekten und Maschinenkäufen soll der Konsum die Wirtschaft antreiben.

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