UN-Diplomat John W. Ashe wird zum Symbol für Korruption

Kopf des Tages7. Oktober 2015, 17:09
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Der ehemalige Vorsitzende der UN-Generalversammlung soll Bestechungsgelder angenommen haben

Glaubt man seinen eigenen Bekundungen – und in diesem Fall ist das sicher nicht zwingend –, dann hat John W. Ashe eine wahrhafte Bilderbuchkarriere hingelegt: Enkel von Analphabeten, Erster seiner Familie, der die Grundschulausbildung abschließen konnte, später Studium des Bioingenieurswesens, dann eine diplomatische Karriere für seinen Heimatstaat Antigua und Barbuda, die zwischen September 2013 und 2014 im Vorsitz der UN-Generalversammlung ihren Höhepunkt fand.

Und glaubt man Angaben der New Yorker Staatsanwaltschaft – worüber wohl einmal Geschworene entscheiden müssen –, dann hat sich das für den 61-Jährigen auch persönlich gelohnt. Zumindest bis zur Nacht auf Mittwoch, als Ashe festgenommen wurde.

Im Moment lautet die Anklage auf Steuervergehen. Doch untersucht die Staatsanwaltschaft auch den wesentlich schwerwiegenderen Vorwurf, Ashe habe seinen Einfluss bei der Uno höchstbietend verkauft. Sogar als beispielhaft für das Wuchern des "Krebsgeschwürs der Korruption" sieht der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara Ashes Wirken bei den UN. Konkret wirft er ihm vor, mindestens 1,3 Millionen Dollar (1,16 Millionen Euro) von seinen ebenfalls angeklagten Geschäftspartnern bekommen zu haben. Im Gegenzug soll er deren lukrative Projekte für gut dotierte Förderungen der Vereinten Nationen und der Regierung seiner Inselheimat vorgeschlagen haben. Mehrere weitere Millionen sollen zudem aus vorerst ungeklärten Gründen ihren Weg von den Konten chinesischer Geschäftsleute auf jenes des Karrierediplomaten gefunden haben.

Ashe selbst stritt in einer Mitteilung seines Anwalts die Vorwürfe ab. Der Untersuchungsrichter blieb aber skeptisch: Gegen Bezahlung einer Kaution von einer Million Dollar wurde der verheiratete Vater zweier Kinder zwar am Mittwoch in sein Haus im noblen Dobbs Ferry überstellt, wo er jenen 30.000-Dollar-Basketballplatz nutzen kann, der am Dienstag schnell zum Symbol für Ashes Lebensstil wurde. Unter Hausarrest bleibt er aber.

Für die Uno ist der neue Skandal ein schwerer Schlag. Der Sprecher von Generalsekretär Ban Ki-moon, Stéphane Dujarric, beeilte sich am Mittwoch zu betonen, dass "Korruption nicht business as usual bei den UN" sei. Doch die Angelegenheit könnte noch weite Kreise ziehen: Denn neben Ashe, der 2013 ohne Gegenkandidaten nominiert worden war, sind schon jetzt auch UN-Diplomaten einiger anderer Länder angeklagt. (Manuel Escher, 7.10.2015)

  • John Ashe, bis 2014 Vorsitzender der UN-Vollversammlung und Botschafter des Karibikstaats Antigua und Barbuda, ist Beschuldigter in einem UN-Korruptionsskandal.
    foto: ap/richard drew

    John Ashe, bis 2014 Vorsitzender der UN-Vollversammlung und Botschafter des Karibikstaats Antigua und Barbuda, ist Beschuldigter in einem UN-Korruptionsskandal.

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