Prachtvolle Bedrohung der Esche

8. Oktober 2015, 05:30
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Europa droht die Invasion des Eschenprachtkäfers. Botaniker Franz Essl forscht an der Uni Wien zu den Auswirkungen

Ein schöner Anblick: Der Panzer des Eschenprachtkäfers schillert metallisch-grün und ist mit bläulichen und goldfarbenen Sprenkeln durchzogen. Trotzdem erfreut er sich wenig Beliebtheit. Der maximal zwei Zentimeter große Käfer, der ursprünglich aus China kommt, wurde mit Holztransporten zuerst nach Moskau eingeschleppt. Dort wurde er 2003 entdeckt und breitet sich seither Richtung Europa aus. Erfahrung mit dem Insekt hat man seit circa 2002 auch in Nordamerika: Dort verschwanden innerhalb weniger Jahre mehrere Milliarden Eschen.

Botaniker Franz Essl forscht mit einem Team an der Universität Wien über Ausbreitung und Auswirkungen in Europa. "Neben Buche und Eiche ist die Esche hier einer der wichtigsten Laub- und Forstbäume. Die Gefahr, wenn er erst einmal da ist, ist riesengroß", sagt er. Der Käfer legt seine Eier in die Rinde. Die Larven fressen sich durch das Kambium, das Wasserleitungsgewebe des Baumes. Befallene Eschen sterben innerhalb weniger Jahre ab.

Importbeschränkungen

Die befallene Fläche in Russland ist bereits doppelt so groß wie Österreich. Eine lückenlose Kontrolle aller Holzimporte nach Europa ist kaum möglich. "Aber selbst, wenn das gelänge, ist davon auszugehen, dass der Käfer in absehbarer Zeit Mitteleuropa und somit auch Österreich aus eigener Kraft erreichen wird", sagt Essl. Der Käfer breitet sich aktuell mit 13 bis 31 Kilometern pro Jahr aus.

"Eine Ausrottung in Europa ist nicht mehr möglich – hier hätte man ganz zu Beginn der Einschleppung reagieren müssen", sagt Essl. Wichtig sei nun, durch Importbeschränkungen und Quarantänemaßnahmen für Eschenimporte aus Russland Zeit zu gewinnen. Das geschieht in Europa über die Europäische Pflanzenschutzorganisation EPPO mit Leitlinien, die die Einfuhr von Eschenholzprodukten aus Russland sowie deren Kontrolle auf Eschenprachtkäferbefall regeln.

In Österreich kommt die Esche vom Tiefland bis in die höheren Alpenlagen vor und ist in einigen Waldtypen dominierend. Mehrere 100 Insektenarten leben überwiegend auf dieser Baumart. Zurzeit arbeiten Forscher an Maßnahmen, die die Schäden verringern: Dazu gehören die Erforschung von Fressfeinden und die Suche nach Eschenvarietäten, die weniger verwundbar sind. (Armin Fluch, 8.10.2015)

  • Die Ausbreitung des Eschenprachtkäfers ist in Europa kaum noch aufzuhalten.
    foto: ap / john ehlke

    Die Ausbreitung des Eschenprachtkäfers ist in Europa kaum noch aufzuhalten.

  • Die Larvengänge zerstören die Gefäßstruktur des Baumes, was zum Absterben der weiter oben liegenden Baumabschnitte führt.
    foto: ap / john ehlke

    Die Larvengänge zerstören die Gefäßstruktur des Baumes, was zum Absterben der weiter oben liegenden Baumabschnitte führt.

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