Raben arbeiten lieber mit Freunden zusammen

11. Oktober 2015, 12:13
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Anhand eines Experiments mit Raben untersuchen Wiener Kognitionsbiologen die Evolution kooperativen Verhaltens

Wien – Raben und Krähen zählen zu den Intelligenzbestien unter den Vögeln, zeigen sie doch diverse Fähigkeiten, die sie vom gemeinen Federvieh unterscheiden. Wie bereits durch zahlreiche Studien belegt, können sie kausale Zusammenhänge erfassen, komplexe Handlungen im Voraus planen und besitzen sogar – wie wir Menschen – die Fähigkeit zu sozialem Lernen.

Raben können aber auch Aufgaben lösen, die Kooperation mit anderen voraussetzen, wie Kognitionsbiologen der Universität Wien in einer kürzlich in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" publizierten Studie nachweisen konnten. Bis dato war dieses hochkomplexe Verhalten nur bei Elefanten und Schimpansen nachgewiesen worden.

Zusammenarbeit lohnt sich

In dem experimentellen Setup wurde eine Futterplattform mit zwei Käsestücken neben die Voliere, außerhalb der Reichweite von sieben Jungraben, positioniert. Mithilfe einer Schnur, die lose durch zwei Ösen der Plattform geführt war, konnten die Raben den Käse in ihre Schnabelreichweite ziehen. Allerdings nur, wenn an beiden Schnurenden gleichzeitig gezogen wurde, denn sonst schlüpfte die Schnur durch und der Käse blieb, wo er war.

foto: nadja kavcik-graumann

"Die Raben haben diese Aufgabe ohne vorheriges Training durch Kooperation erfolgreich gelöst", erklärt Jorg Massen, Erstautor der Studie. Zuerst wurde die ganze Gruppe von Raben getestet, um herauszufinden, wer mit wem am liebsten zusammenarbeitet. Da sich aber die ranghöchsten Tiere immer wieder in den Vordergrund drängten, wurden auch alle möglichen Pärchen-Kombinationen einzeln getestet.

Es zeigte sich, dass die Vögel am liebsten mit befreundeten Artgenossen kooperierten und dabei auch am erfolgreichsten waren. Konnten sie ihren Partner frei wählen, kamen die Tiere bei zwei von drei Versuchen an Käse, bei vorgegebenen Teams immer nur bei jedem dritten Versuch.

Schummeln lohnt sich nicht

In einigen Fällen kam es vor, dass sich einer der beiden Raben rasch beide Käsestücke schnappte und den anderen so um seinen Erfolg prellte, berichteten die Wissenschafter. Dieses Verhalten brachte dem Gierschlund aber nur einen kurzfristigen Vorteil: "Die Opfer solch unfairen Verhaltens merkten sich den Übeltäter und boykottierten in der Folge die Zusammenarbeit mit diesen Individuen."

Eine so ausgeklügelte Methode, seinen Partner in Schach zu halten, kannte man bisher nur von Menschen und Schimpansen. "Bei Vögeln stellt dieses Verhalten eine völlige Neuheit dar", sagt Massen. Die Raben seien daher interessante Modellorganismen um die Evolution und die Mechanismen kooperativen Verhaltens weiter zu erforschen. (APA/red, 11.10.2015)

  • Raben können komplexe Aufgaben lösen, die Kooperation mit anderen erfordern.
    foto: markus boeckle

    Raben können komplexe Aufgaben lösen, die Kooperation mit anderen erfordern.

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