Bescheiden und schlaftrunken zum Nobelpreis

7. Oktober 2015, 16:18
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In ersten Reaktionen drückten die Laureaten ihre Freude aus, für Experten war die Entscheidung des Nobelkomitees "längst fällig"

Die Welt ist um drei Chemienobelpreisträger reicher. Am Mittwoch verkündete die Schwedische Akademie der Wissenschaften die diesjährigen Laureaten: Tomas Lindahl, Aziz Sancar und Paul Modrich.

"Ich fühle mich sehr glücklich und bin stolz darauf, heute ausgewählt worden zu sein," kommentierte der gebürtige Schwede Lindahl (77) die Entscheidung. Er wurde per Telefon zur Nobel-Pressekonferenz zugeschaltet. "Ich wusste, dass ich über die Jahre für den Preis in Betracht gezogen worden bin, aber das sind Hundert andere genauso."

Anruf in der Nacht

Der türkisch-amerikanische Doppelstaatsbürger Sancar (69) wiederum freute sich nicht nur für sich selbst, sondern auch für sein Herkunftsland: "Sie haben mich dort schon immer gefragt, wann ich denn endlich den Nobelpreis gewinnen werde, also bin ich auch sehr glücklich für mein Land", so der Biochemiker, der an der University of North Carolina forscht.

Als die Nachricht aus Stockholm kam, habe er noch geschlafen. "Meine Ehefrau hat den Anruf angenommen und mich aufgeweckt. Ich hatte das nicht erwartet, also war ich sehr überrascht", erzählte Sancar. "Ich habe dann mein Bestes gegeben, schlüssig zu sprechen, aber ich schlief ja eigentlich fast noch." Ende des Monats wolle er wieder lehren. "Ich werde mein Bestes geben, mein Leben normal weiterzuführen – aber es wird wohl ein paar Empfänge geben, schätze ich."

Mit "DNA-Zeug" zum Erfolg

Der US-Amerikaner Modrich (69) gab sich bescheiden: "Ich bin zufrieden mit kleinen Schritten", sagte er in einer ersten Reaktion. Den ziemlich großen Schritt zum Nobelpreis verdanke er seinem Vater, einem Biologie-Lehrer, der ihm vor über 50 Jahren geraten habe, "dieses DNA-Zeug" zu studieren. "Ein bisschen Glück gehört natürlich auch dazu."

Als längst überfällig bezeichnete der Genetiker Franz Klein von den Max F. Perutz Laboratories in Wien die Entscheidung des Nobelkomitees, das Forschungsgebiet der DNA-Reparatur zu bedenken. "Ich freue mich sehr, dass Forscher aus dem wissenschaftlichen Feld der DNA-Reparatur mit dem diesjährigen Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet wurden."

Auch wenn die Auswahl einzelner Personen ein bisschen willkürlich sei, "ist es vermutlich wichtig, das Feld herauszuheben, damit es in der Medizin ein bisschen mehr beachtet wird", so Klein. Denn unter Ärzten seien die Erkenntnisse zur DNA-Reparatur noch viel zu wenig bekannt. (APA, red, 7.10.2015)

  • Thomas Lindahl (Francis Crick Institute, Großbritannien) ist "stolz und glücklich".
    foto: reuters/stefan wermuth

    Thomas Lindahl (Francis Crick Institute, Großbritannien) ist "stolz und glücklich".

  • Aziz Sancar (University of North Carolina) wurde vom Nobelkomitee aus dem Schlaf gerissen. Er hofft auf baldige Rückkehr zur Normalität.
    foto: reuters/handout

    Aziz Sancar (University of North Carolina) wurde vom Nobelkomitee aus dem Schlaf gerissen. Er hofft auf baldige Rückkehr zur Normalität.

  • Paul Modrich (Howard Hughes Medical Institute, North Carolina) verdankt den Nobelpreis indirekt seinem Vater.
    foto: ap/kevin wolf

    Paul Modrich (Howard Hughes Medical Institute, North Carolina) verdankt den Nobelpreis indirekt seinem Vater.

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