Präsidentschaftskandidat Chung will Blatter verklagen

7. Oktober 2015, 14:06
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Schweizer sei ein "Heuchler und Lügner" – Noch-FIFA-Boss beklagt Vorverurteilung

London/Berlin/Zürich – FIFA-Präsidentschaftskandidat Chung Mong-joon hat juristische Schritte gegen den scheidenden Amtsinhaber Joseph Blatter angekündigt. Er wolle "Herrn Blatter wegen Veruntreuung vor Gericht verklagen", sagte der Südkoreaner am Mittwoch in London. Er bezeichnete den unter Korruptionsverdacht stehenden Blatter als "Heuchler und Lügner".

"Die FIFA hat sich zu einer korrupten Organisation, die den Interessen von einigen wenigen dient, entwickelt", kritisierte Chung. Der Sohn von Hyundai-Gründer Chung Ju-yung hatte am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Seoul mitgeteilt, dass er mit einer 19-jährigen Sperre durch die Ethikkommission der FIFA rechne. Damit würde er aus dem Rennen um die Nachfolge von Amtsinhaber Blatter ausscheiden.

Chung werden Verstöße im Zusammenhang mit Südkoreas gescheiterter Bewerbung für die WM 2022 vorgeworfen. Laut dem 63-Jährigen sei der Fall 2010 zu den Akten gelegt und erst nach seiner Kandidatur für das FIFA-Spitzenamt neu aufgerollt worden. Chung war bis 2011 auch Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees.

Blatter will am 26. Februar 2016 sein Amt abgeben. Bis zum 26. Oktober müssen Kandidaten ihre Bewerbung einreichen und die Unterstützung von mindestens fünf nationalen Verbänden vorlegen. Neben Chung haben bisher der ebenfalls belastete UEFA-Präsident Michel Platini und Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien ihre Bewerbung angekündigt.

Vorverurteilung ärgert Blatter

Blatter hat indes seine öffentliche Vorverurteilung beklagt. "Man verurteilt mich vor, ohne Beweise für irgendein Fehlverhalten meinerseits. Eigentlich ist das ungeheuerlich", sagte der 79-Jährige in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der "Bunte". Er werde seine Arbeit wie geplant bis 26. Februar 2016 weiterführen, stellte Blatter erneut klar.

"Dann ist definitiv Schluss. Aber keinen Tag früher", sagte der Schweizer in der deutschen Illustrierten. Bis dahin werde er kämpfen: "Für mich. Für die FIFA."

Ende September hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren gegen den Chef des von Skandalen erschütterten Weltfußball-Verbandes wegen des Verdachts der "ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie – eventualiter – wegen Veruntreuung" eingeleitet. Forderungen nach einem sofortigen Rücktritt ließen Blatter bis dato kalt. (APA/dpa, 7.10.2015)

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