Österreichischer Sammler hatte jungsteinzeitliche Dolche zu Hause

7. Oktober 2015, 14:01
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Geoarchäologe erkennt Wert der 5.000 Jahre alten Feuerstein-Artefakte aus der Jungsteinzeit

Haidershofen – Im Rahmen des Projekts "Steinzeit an der Enns" ist Alexander Binsteiner vom Internationalen Büro für Geoarchäologie auf einen interessanten Fund gestoßen: Nach Entdeckungen alt- und jungsteinzeitlicher Geräte in Haidershofen im Bezirk Amstetten hat der Geoarchäologe und Paläontologe Feuersteindolche entdeckt – allerdings nicht im Boden, sondern in der Kellervitrine eines Sammlers.

Die Fundstücke stammen aus Püreck nahe Dorf an der Enns und datieren in die Zeit um 3000 vor unserer Zeitrechnung. Fast 20 Jahre lang lagen die beiden Dolche im Keller von Franz Mitterhuber, einem versierten Sammler von Steinzeitartefakten aus Haidershofen. Ihre typische Form mit ausgeprägten Kerben an der sorgfältig gearbeiteten Griffplatte, die der Schäftung diente, verrate die genaue Zeit der Herstellung am Ende der Jungsteinzeit, als bereits die Kupfertechnologie auf dem Vormarsch war.

Interessante Epoche

In Mitteleuropa war dies eine Epoche vielfältiger Kulturerscheinungen, sagt Binsteiner: Hierzulande wanderte die Chamer Kultur über die Donau nach Niederösterreich ein, in der Schweiz errichtete die Horgener Kultur Pfahlbauten an den Seen. Zeitliche Überschneidungen gab es mit den nachfolgenden Kulturen der Schnurkeramik und den Glockenbecherleuten. Aus dem Traisental kennt man Gräber der Schnurkeramik, aus Linz-Scharlinz zwei Glockenbechergräber mit Kupferdolchen.

Ein Dolch sei aus heimischem Kieselschiefer gefertigt, das Rohmaterial des zweiten stamme aus dem niederbayerischen Landkreis Kehlheim. Es handle sich dabei um einen sogenannten Plattenhornstein, eine besondere Feuersteinart, die vor allem in Ablagerungen der Jurazeit der Frankenalb auftritt. Die Dolchträger von Püreck hätten vermutlich der Oberschicht angehört. Binsteiner verwies darauf, dass auch der "Ötzi" einen dieser kleinen Feuersteindolche mit Holzgriff in seiner Ausrüstung hatte, als er den Tod am Tisenjoch in den Ötztaler Alpen fand. (APA, red, 7.10.2015)

  • Diese beiden Feuersteinklingen stammen etwa aus der gleichen Zeit, in der in Südengland die Kultanlage von Stonehenge errichtet wurde. Aber auch in unseren Breiten tat sich damals so einiges.
    foto: apa/binsteiner

    Diese beiden Feuersteinklingen stammen etwa aus der gleichen Zeit, in der in Südengland die Kultanlage von Stonehenge errichtet wurde. Aber auch in unseren Breiten tat sich damals so einiges.

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