Kalifornien: Per Gesetz zu gleichem Gehalt für Frauen

7. Oktober 2015, 13:33
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Auch in Kalifornien verdienen Frauen strukturell weniger. Das soll sich durch ein diese Woche beschlossenes Gesetz ändern

Die Schlupflöcher werden endlich gestopft: So lautet zumindest die Hoffnung vieler Unterstützer des California Pay Fair Act, der die gleiche Bezahlung für Frauen und Männer bei gleicher Arbeit regeln soll. Das Ziel war zwar auch bisher schon rechtlich verankert, die Worte waren allerdings so vage formuliert, dass viele Unternehmen sich nicht an die Regeln halten mussten. Dazu kam die Verschwiegenheit über das Gehalt – die fehlende Transparenz gilt als Garant für Ungleichheit.

Klarere Formulierungen

Die Neuheit: Im alten Gesetz hieß es, dass Frauen und Männer mit dem "gleichen" Beruf am gleichen Ort gleich viel verdienen sollen. Nun ist die Rede von "vergleichbaren" Berufen, auch an unterschiedlichen Orten. Das Erkundigen nach dem Gehalt von Kollegen darf nicht abgewiesen werden – auch das ist neu.

Lange überfällig

Die demokratische Senatorin Hannah-Beth Jackson, die den Gesetzesentwurf einbrachte, sieht die Regelung als "lange überfällig". Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit sei kein Anliegen speziell von Frauen, sondern die "richtig Sache für unsere Wirtschaft und für Kalifornien". Der Bundesstaat ist Ort einer ganzen Reihe von Gerichtsprozessen zu Diskriminierung bei der Bezahlung. Der Fall der ehemaligen Geschäftsführerin des Onlineportals Reddit, Ellen Pao, sorgte USA-weit für eine Debatte über gleiche Bezahlung.

Latinas am meisten benachteiligt

Die US-Statistikbehörde USCB hat die Gehaltsunterschiede in einer Studie veranschaulicht: Für jeden Euro, den ein Mann verdient, bekommt eine Frau nur 84 Cent bezahlt. Diese Ungleichheit verstärkt sich massiv bei Frauen mit anderer Hautfarbe oder Migrationshintergrund. Den größten Unterschied gibt es zwischen weißen Männern und Frauen lateinamerikanischer Abstammung: Sie stehen bei 44 Cent zum Euro.

Große Unterschiede im Filmbusiness

Das Wirtschaftsmagazin Forbes merkte an, dass die kalifornische Entscheidung besonders für Hollywood interessant werden könnte. Die Gehaltsunterschiede sind auch hier offensichtlich: Der bestbezahlte Schauspieler Robert Downey Jr. verdiente im vergangenen Jahr demnach 80 Millionen Dollar (71,3 Millionen Euro), seine bestverdienende weibliche Kollegin Jennifer Lawrence 52 Millionen. Noch deutlicher wird es im unteren Teil der Liste: Platz 17 bei den Männern belegt Matthew McConaughey mit 26,5 Millionen Dollar, Mila Kunis, ebenfalls auf Platz 17, verdiente "nur" 6,5 Millionen Dollar.

Unternehmen unter Zugzwang

Wird sich durch den neuen Gesetzestext wirklich etwas an der Schlechterstellung aller Frauen in Kalifornien ändern? Ange-Marie Hancock, Professorin für Gender Studies und Politikwissenschaft an der University of Southern California, ist optimistisch: "Unternehmen bleibt hier wirklich nicht mehr viel Spielraum. Arbeitgeber müssen beweisen und festhalten, dass sie ihre Angestellten gleich bezahlen", sagt sie zu Al Jazeera USA. (lhag, 7.10.2015)

  • Für jeden Euro, den ein Mann verdient, erhalten Frauen in Kalifornien 84 Cent, errechnete eine US-Studie. Durch ein neues Gesetz soll die Bezahlung zwischen Männern und Frauen gleich sein.
    foto: istock

    Für jeden Euro, den ein Mann verdient, erhalten Frauen in Kalifornien 84 Cent, errechnete eine US-Studie. Durch ein neues Gesetz soll die Bezahlung zwischen Männern und Frauen gleich sein.

  • Das wäre auch in Hollywood interessant, analysiert das Magazin Forbes. Der bestbezahlte männliche Schauspieler war letztes Jahr Robert Downey Jr. Er verdiente 80 Millionen Dollar.
    foto: reuters/andrew kelly

    Das wäre auch in Hollywood interessant, analysiert das Magazin Forbes. Der bestbezahlte männliche Schauspieler war letztes Jahr Robert Downey Jr. Er verdiente 80 Millionen Dollar.

  • Seine bestverdienende Kollegin Jennifer Lawrence verdiente 2014 hingegen 52 Millionen US-Dollar. Schauspielerinnen machten in den letzten Monaten besonders oft auf den "Gender Pay Gap" im Filmbusiness aufmerksam.
    foto: john shearer

    Seine bestverdienende Kollegin Jennifer Lawrence verdiente 2014 hingegen 52 Millionen US-Dollar. Schauspielerinnen machten in den letzten Monaten besonders oft auf den "Gender Pay Gap" im Filmbusiness aufmerksam.

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