Österreichische Forscher entwickeln Augen für weltgrößtes Teleskop mit

7. Oktober 2015, 15:17
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Planung für Präzisionsgerät für das European Extremely Large Telescope (E-ELT) beginnt in Wien – Erste Bilder soll es 2024 geben

Wien – Österreichische Wissenschafter sind Teil eines Konsortiums, das gleichsam die Augen für das European Extremely Large Telescope (E-ELT) auf dem Cerro Armazones in der chilenischen Atacamawüste entwickelt. Die beiden Kameras des mit 39 Metern Durchmesser größten optischen Teleskops der Welt sollen ab 2024 erste aufgenommene Bilder in verschiedenen Licht-Frequenzbereichen liefern. Davon erhofft man sich neue Einblicke in das Universum.

In dieser Woche erfolgte der Start für die Planungen zur "Multi-AO Imaging Camera for Deep Observations" (MICADO) bei einer Konferenz in Wien. Beteiligt sind neben Wissenschaftern aus Wien, Innsbruck und Linz Partner aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Italien. Die MICADO-Kamera wird entwickelt, um mit dem E-ELT, das von der Europäischen Astronomieorganisation ESO (Europäische Südsternwarte) in den nächsten zehn Jahren gebaut wird, einen viel genaueren Blick auf das Universum zu werfen als es mit herkömmlichen Teleskopen möglich war.

15 Mal mehr Licht als bisherige Riesenteleskope

"Dieses revolutionäre Teleskop wird das größte optische bzw. Nah-Infrarot-Teleskop der Welt sein und etwa 15 Mal mehr Licht sammeln als die bereits heute existierenden größten optischen Teleskope", so der österreichische Projektkoordinator, der Astrophysiker Joao Alves, von der Uni Wien. Die hohe Empfindlichkeit der Kamera soll es ermöglichen, sehr leuchtschwache Sterne und besonders weit entfernte Galaxien zu beobachten. Durch die hohe Bildauflösung könne man viel tiefer in kosmische Strukturen, wie Nebel und Galaxien blicken. So könne etwa aus der Anordnung von Sternenanhäufungen auf deren Entstehungsgeschichte und die Entwicklung weit entfernter Galaxien geschlossen werden.

Auch die minimalen Bewegungen der vermeintlichen Fixsterne werden die Forscher besser analysieren können. Diese Messungen sollen verraten, wo sich verborgene schwarze Löcher in Sternhaufen befinden. MICADO wird auch in einem speziellen Beobachtungsmodus arbeiten können, mit dem Planeten, die sich außerhalb unseres Sonnensystems befinden (Exoplaneten), beobachtet und charakterisiert werden.

Noch im Laufe dieses Monats erfolgt auch der Planungsstart zum zweiten Instrument, das mit heimischer Beteiligung entstehen wird. Am Bau des "Mid-Infrared ELT Imager and Spectrograph" (METIS) arbeiten die Unis Wien, Innsbruck, Graz und Linz sowie das Johann Radon Institut für Numerische und Angewandte Mathematik (Ricam) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Linz mit.

Planetengeburten im Visier

"Es wird hochaufgelöste Bilder und Spektren auf längeren Wellenlängen als MICADO liefern; die beiden Instrumente sollen sich dadurch ideal ergänzen", so der österreichische METIS-Projektleiter Manuel Güdel von der Uni Wien. Es wird vor allem zur Beobachtung kühler Objekte im Universum eingesetzt, wie etwa protoplanetarer Scheiben und den sich darin bildenden Planeten. Wie bei MICADO können damit auch Analysen der Lichtstrahlung von Exoplaneten gemacht werden.

Ebenfalls mit österreichischer Beteiligung wird ein drittes Instrument entwickelt. Dieser Spektrograph befindet sich allerdings erst in der Designphase. Auch im Bereich der Datenanalyse beteiligen sich heimische Forscher. Die Instrumente werden von Konsortien aus europäischen Instituten in Zusammenarbeit mit der ESO, zu deren Mitgliedern Österreich seit 2008 zählt, entwickelt und gebaut.

Die ESO, ein Zusammenschluss aus 15 überwiegend europäischen Staaten, betreibt bereits mehrere Hochleistungsteleskope in Chile. Dazu zählt das "Very Large Telescope" (VLT), dessen vier Hauptteleskope Spiegeldurchmesser von jeweils 8,2 Metern aufweisen. Wegen der kühlen und trockenen Wetterbedingungen in Chile werden die meisten astronomischen Beobachtungen weltweit in dem südamerikanischen Land ausgeführt. Bis 2021 wird Österreich insgesamt rund 6,2 Millionen Euro zum E-ELT-Projekt, dessen erste Bauphase rund eine Milliarde Euro kosten wird, beitragen. (APA/red, 7.10.2015)

  • Das E-ELT in der chilenischen Atacamawüste bekommt Augen, an deren Entwicklung auch österreichische Forscher beteiligt sind.
    illu.: eso

    Das E-ELT in der chilenischen Atacamawüste bekommt Augen, an deren Entwicklung auch österreichische Forscher beteiligt sind.

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