VW-Urgesteine sollen Dieselskandal aufarbeiten

7. Oktober 2015, 17:57
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Neuer Präsident und neuer Finanzchef bei VW

Wolfsburg – Geebnet wurde sein Weg an die Spitze des VW-Aufsichtsrats vom Amtsgericht Braunschweig. Es ernannte Hans Dieter Pötsch am Mittwoch auf Antrag des VW-Präsidiums zum einfachen Mitglied – befristet bis zur nächsten Hauptversammlung. Der 20-köpfige Aufsichtsrat kürte den früheren Finanzvorstand, er war Nummer zwei hinter Exchef Martin Winterkorn, am Nachmittag auftragsgemäß zum Vorsitzenden. Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber ist den angesichts des Abgasskandals aktuell eher undankbaren Vorsitz nun wieder los.

Eine der ersten Entscheidungen der Ära Pötsch: Frank Witter (56) wurde zu seinem Nachfolger als Finanzvorstand der Volkswagen AG berufen. Der gelernte Sparkassenkaufmann und promovierte Ökonom ist seit 1992 bei VW und hat einschlägige Erfahrung mit dem US-Geschäft: Er war ab 1998 Treasurer bei der Volkswagen of America Inc., wo er auch VW Canada, VW Credit Inc. und deren Tochtergesellschaften in Auburn Hills (Michigan) verantwortete, ehe er 2005 zu deren Chef avancierte. Ab 2008 war Witter Chef der VW Financial Services.

Als Konzernfinanzchef muss er nun Milliardenaufwendungen für die Reparatur des Abgasskandals und Bußgelder in den USA kalkulieren. Wie viele genau, ist ebenso wenig klar wie die Dauer der Reparaturarbeiten für die insgesamt elf Millionen Autos (davon acht Millionen in Europa), in die die Manipulationssoftware eingebaut wurde.

Umbau bis nächstes Jahr

Noch am Mittwoch sollte im Bundesverkehrsministerium in Berlin ein Zeitplan von VW eingehen, wie und wann die Manipulationen an Dieselfahrzeugen abgestellt werden. In dem Schreiben müsse VW erklären, wie genau die Motoren manipuliert wurden, wie und in welchem Zeitraum der Konzern die Probleme beheben wolle, sagte der Sprecher. VW-Chef Müller hatte via FAZ angekündigt, die betroffenen Fahrzeuge bis Ende 2016 umbauen zu wollen. Im Jänner soll demnach der Rückruf starten, bis "Ende 2016 alle Autos in Ordnung sein."

Unterdessen hat eine erste Autokäuferin in Deutschland Klage gegen VW eingereicht. Für die Kölnerin seien die angeblich niedrigen Abgaswerte "kaufentscheidend" gewesen, teilte ihr Anwalt mit. Für ein "Blue Motion" -Fahrzeug sei sie bereit gewesen, deutlich mehr zu bezahlen als für die Standardausstattung. Sie hatte für den VW Sharan, Baujahr 2010, mit 2.0 TDI-Motor 42.000 Euro bezahlt und fordert nun die Rückabwicklung des Kaufs. (ung; Reuters; dpa, 7.10.2015)

  • Der neue Aufsichtsratsvorstand Hans Dieter Pötsch.
    foto: apa/epa/andrew gombert

    Der neue Aufsichtsratsvorstand Hans Dieter Pötsch.

  • Seit VW die Manipulation eingestanden hat, arbeitet der Konzern fieberhaft an der Schadensbegrenzung.
    foto: reuters/luke macgregor

    Seit VW die Manipulation eingestanden hat, arbeitet der Konzern fieberhaft an der Schadensbegrenzung.

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